Psychoedukation
Carola Müller, 44 Jahre alt
MS-Diagnose seit 1999
Frau Müller berichtete von ihrer eigenen Weiterbildung bezüglich Inhalte der Neurowissenschaften und der Glaubenssätze.
"Und ich habe dann irgendwann auch angefangen, mich noch weiter zu informieren, was die Neurowissenschaft alles herausgefunden hat, was Glaubenssätze, was vor allen Dingen die unbewussten Glaubenssätze anbelangt. Denn ich weiß noch genau die Gedanken, die ich hatte, bevor ich die Diagnose hatte.
Also es war eigentlich immer so, dass ich mir Glück nicht erlaubt habe, dass da immer so kleine Stimmen waren: „Ah, irgendwas wird passieren, du wirst krank werden.“ Und mit der Tante im Kopf hatte ich auch ziemlich genau im Kopf, was dann passieren könnte. Und ich weiß noch, dass ich, ja, eine Woche, da hatte ich die Verletzung am Bein schon, glaube ich, auf jeden Fall, da kam ich so nach Hause, trotz Beinverletzung also gut gelaunt und wir hatten gerade geheiratet, das neue Auto stand vor der Tür und die Wohnung war klasse und ich hatte so ein: „Ah, mir geht es gut.“ Und sofort kamen diese Gedanken wieder und zwei Wochen später hatte ich die Diagnose. So viel dazu. Und das habe ich einer Freundin erzählt so und sie so: „Ja, aber dann bist du ja Opfer, dann hast du dich da ja reingeredet.“ Ich so, ja, ich sehe das aber ganz anders, weil wenn ich mich da reingeredet habe, dann werde ich mich da auch wieder rausdenken oder rausreden und ich sehe das eher als Chance, weil ich jetzt weiß, ich habe die Macht, dass es in die eine Richtung kann, dann kann ich es auch in die andere Richtung.
Also was sehr hilfreich war, war das Buch ‚Negative Glaubenssätze‘ von Demian zur Strassen, wo einfach erst mal klar wird, dass es halt… Wir denken immer, wir haben einen freien Willen, aber tatsächlich werden wir von den unbewussten Glaubenssätzen zum großen Teil durchs Leben gesteuert, die dazu führen, dass wir ja tatsächlich Sachen abspeichern wie ‚ich darf nicht glücklich sein‘, was damals als Kind notwendig war, damit ich gut zurecht kam, aber was dann halt dazu geführt hat, dass ich natürlich mir immer irgendwelche Steine in den Weg gelegt habe, tatsächlich glücklich zu sein. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Selbstsabotage wirklich so mächtig ist, dass man Sachen macht, obwohl man weiß, dass es nicht gut ist. Also wenn man Muster erkennt, das immer etwas in einem Zusammenhang war, zum Beispiel immer, wenn ich zum Sport gehen wollte, dann ist irgendwas, also dann bin ich zum Yoga und dann dachte ich, jetzt gehe ich jede Woche zum Yoga, hat mir richtig gut gefallen, und schon lag ich irgendwie auf der Nase mit dem Fahrrad oder wie auch immer. Also nie mit Fremdeinwirkung, sondern wirklich manchmal nur zack umgefallen. Total bescheuert. Also der Körper wirkt so mächtig. Da war halt irgendwie, ich habe dann Sport halt mit Glück gleichgesetzt. Wenn ich fit bin, dann bin ich glücklich und so. Und dann kam sofort irgendwas, was es mir verbaut hat. Also das musst du erst mal verstehen. Und dann habe ich halt immer mehr mich informiert, wie das alles zusammenhängt und dass die Zellen zum Teil auch wirklich süchtig werden danach, was sie an Hormonen aufgrund unserer Gedanken oder der Körper, Biochemikalien immer gekriegt haben, und ja, wenn man nicht die füttert mit dem, was sie gewohnt sind, dann denken sie, es ist eine Gefahr für einen und dann wird das Programm ausgelöst, Sachen zu machen, die wieder zu dem Status quo führen. Ja, aber wie gesagt, ich sehe das halt als Chance, dass ich erkannt habe, dass wenn ich mich da reinrede, dann kann ich mich da auch wieder rausreden."
Thema: Aktives Leben und Wissenserwerb