Sozialleben
Gerd Friedmann, 31 Jahre alt
MS-Diagnose seit 2016
Das Spritzen des Interferons und die einhergehenden Nebenwirkungen haben das Sozialleben von Gerd Friedmann beeinträchtigt. Er hat aber in der ersten Zeit nach der Diagnose ein sehr verständnisvolles Umfeld.
"Freunde gehen abends raus zum Grillen oder man trifft sich irgendwo zum Grillen. Da musste ich dann sagen, nee, ich muss nach Hause. Man könnte natürlich den Spritz-Apparat mitnehmen in einer Kühlbox oder sonst wie was. Aber wenn man das wirklich auf einer Party macht, mal kurz verschwindet, sich eine Spritze setzt und dann wieder hingeht. Zuckerkranke machen das regelmäßig. Aber ich habe mich damit nicht wohl gefühlt. Ich habe das also nicht gemacht, sondern habe dann eher gesagt: Nee, tut mir leid. Ich komme nicht mit. Geht heute nicht. Vielleicht morgen. Und das war auch diesem Umstand geschuldet, dass es immer diese Ups and Down gab, dazwischen, haben natürlich zu einer depressiven Grundstimmung beigetragen. Die depressive Grundstimmung war auch so, dass ich damit zum Psychologen gegangen bin. Weil ich gesagt habe, ich weiß es nicht, vielleicht kann der mir dabei helfen. Und das hat mir, glaube ich, auch geholfen, indem ich realisiert habe, dass ich mit ihm darüber sprechen kann, also kann ich auch mit all meinen Freunden darüber reden. Mit dem größten oder mit dem engsten Freundeskreis, denen habe ich das direkt gesagt, einen Tag nach der Diagnose. Als ich beim ersten Mal Cortison-Infusion benommen habe, habe ich auch mit vielen Freunden telefoniert und meinte so, ihr hattet mich ja Silvester gesehen und ich war da ja nicht so fit. Ich weiß jetzt was ich habe. Es ist so und so. Und, dass es aber diese depressive Grundstimmung gab, da habe ich auch nur den engsten Freundeskreis mit eingeweiht. Aber die konnten damit wunderbar umgehen. Also im Nachhinein habe da, glaube ich, in der ersten Zeit der Diagnose, also in dem ersten Jahr überhaupt, habe ich, glaube ich, mein gesamtes Glück was ich jemals haben werde, aufgebraucht. Weil so verständnisvolle Freunde, so einen verständnisvollen Arbeitgeber zu haben. Ich habe meine Freundin währenddessen kennengelernt. Und auch die war nicht davon abgeschreckt. Also es waren so viele glückliche Zustände für mich. Das war … Das raubt mir immer noch dem Atem. Und man weiß was man für Freunde hat, wenn man da einmal durchgegangen ist."
Thema: Sozialleben