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Urlaubsplanung und Reisen

Albert Klein, 53 Jahre alt

MS-Diagnose seit 2015

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Herr Klein sehnte sich nach Normalität im Urlaub und hat sich dadurch etwas verausgabt. Jetzt unternimmt er mit seiner Frau gerne Kreuzfahrten.

"Ich habe meine Diagnose vor drei Jahren bekommen. Das ist ziemlich ungewöhnlich, also männlich, über fünfzig und die Diagnose MS dann zu bekommen. Diese drei Jahre waren ein Weg oder sind nach wie vor, sind immer noch ein Weg des Akzeptierens der Erkrankung. Es ist immer noch so, dass ich es nicht wirklich wahrhaben will, dass es so ist. Ein kleines Beispiel dafür, wir sind jetzt letztens in den Urlaub gefahren und das erste Mal in zwei Jahren, dass wir mal wieder gefahren sind und da tauchen dann so Dinge auf, die, glaube ich, rein menschlich sind. Ich wollte meiner Frau eine gute Zeit geben und gute Zeit ist in dem Moment halt auch mal Urlaub von MS bitte, ja? Mal nicht… Also da muss man sich auch darüber im Klaren sein, mit der Diagnose bekommt man etwas, was immer bei einem ist. MS ist bei mir, in mir, immer da. Und da kommt natürlich eine Sehnsucht dabei heraus, Urlaub zu haben von MS, auch mal zu sagen: „Komm, da will ich jetzt nichts mehr damit zu tun haben, es soll alles gut sein.“

Und dann habe ich in dem Urlaub, natürlich bin ich über meine Leistungsgrenzen gegangen, weil meine Frau geht gerne spazieren. Mhm, sag einem MSler, dass man schön spazieren geht, der rennt schreiend davon, wenn er könnte. Ich habe da beschlossen, zu sagen, okay, ich tue alles, was ich kann, damit hier so normal wie möglich dieser Urlaub ist. Die Strafe dafür war in Anführungsstrichen, nach dem Urlaub halt einfach zwei Wochen ausgeknockt zu sein, zwar einen guten Urlaub verbracht zu haben, aber ausgeknockt zu sein. Also was will ich damit sagen? Ich bin immer noch nicht in der vollen Akzeptanz der Erkrankung, immer noch nicht nach drei Jahren. Es taucht immer noch auf, dass ich über meine Grenzen drüber gehe, dass ich eine enorme Sehnsucht nach Normalität habe. Ja, dem ist nicht so und das ist halt der Lernprozess, der da stattfindet.

Wir haben angefangen, unsere Urlaube anders zu organisieren. Wir sind auf Kreuzfahrten gekommen. Kreuzfahrten bieten einem die Möglichkeit, vollkommen versorgt zu sein, das heißt, es gibt Essen, bis der Arzt kommt, wann immer man will. Man hat sein Zimmerchen, das passt alles, und kommt dann an Land und kann dann mit Touren sich Dinge anschauen. Das war ein ganz schöner Weg, das für mich zu akzeptieren, weil ich mehr so der Individualurlauber gewesen bin immer und jetzt auf einmal sitzt man in einem Bus mit fünfzig anderen Menschen. Schwierig. Aber es sorgt zumindest dafür, dass ich auf die Art und Weise Dinge sehen kann.
Wir haben jetzt auch letztens versucht, so viel wie möglich selbst zu organisieren, aber das ist definitiv, der Bewegungsradius ist eingeschränkt und dem muss man Rechenschaft ablegen. Aber wir haben eine Flusskreuzfahrt gemacht, wir haben eine Mittelmeerkreuzfahrt gemacht. Das sind Dinge, die gehen, und so funktioniert es gut. Und es gibt auch genügend Plattformen im Internet, wo Reisen mit Behinderung beschrieben sind und den Weg findet man von selbst dahin. Die Tür sollte man sich auf keinen Fall zumachen. Es ist enorm bereichernd, andere Umgebungen zu sehen. Das kennt man ja aus dem gesunden Leben. Das sollte man sich auch nicht nehmen lassen mit der Erkrankung. Man muss es halt ein bisschen anders einrichten.

Individualreisen sicherlich noch genauso möglich. Einen guten Freund dabei zu haben, kann da nicht schaden. Ich habe das letztes Jahr gemacht. Meine Begeisterung ist Elektromobilität. Ich finde, Elektroautos üben eine enorme Faszination aus auf mich und ich fahre auch nur noch elektrisch und es gab letztes Jahr die Möglichkeit, an der eTour Europe teilzunehmen. Das ist eine Rally für Elektrofahrzeuge, 3.800 Kilometer durch Europa, neun Länder in neun Tagen und das rein elektrisch und das ist natürlich eine spannende Geschichte. Das war sehr anstrengend auch, weil das ging von morgens um sieben bis nachts um eins und das habe ich zusammen mit einem Freund gemacht. Und ja, der musste natürlich einiges abfangen, wenn ich weggesackt bin durch die Fatigue, dass der dem entgegengesteuert hat. Und da war ich sehr dankbar, dass das geht. Aber auch da sollte man nicht verzagen. Also ja die Urlaube machen, die man sich selber machen will, aber den Gedanken daran schon haben, dass man MS mit im Koffer hat."

Thema: Urlaubsplanung und Reisen

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