Glatiramer-acetat
Michael Zöllner, 48 Jahre alt
MS-Diagnose seit 1991
Michael Zöllner hatte insgesamt zwei Immuntherapien ausprobiert und mit Glatiramer-acetat (Copaxone®) angefangen.
Aktuell macht er keine Immuntherapie.
Herr Zöllner hat nach der Diagnose erst einmal keine Immuntherapie anfangen wollen und hat sich dann später für Glatiramer-acetat entschieden. Eine MS Nurse hatte ihm Tipps zur richtigen Handhabung des Medikamentes gegeben.
"Nachdem es nur eine kurzfristige Ausfallserscheinung war, das heißt der Schub, den ich hatte damals, ging nach vier bis sechs Woche wieder einigermaßen weg, und ich hatte danach keine bleibenden Schäden. Damit war das die lupenreine Anfangsgeschichte. Ja, war halt mal vier Wochen krank und dann... Ja, die MS hat man da erst einmal verdrängt. Und ich habe auch die ersten drei Jahre im Grunde keine Medikamente genommen, weil ich ja nichts hatte. Also ich war ja gesund - in meinen Augen. Und der Neurologe, den ich damals hatte, der hat dann eben auch gesagt, „Die kannst Du nehmen oder auch nicht.“ Und zu dem Zeitpunkt, wo ich die Diagnose hatte, gab es nur zwei Medikamente. Und zwar das Avonex, das gab es schon ewig, und das Copaxone kam gerade neu auf den Markt. Und da ging es darum: „Können Sie nehmen oder auch nicht. Ob es hilft, wissen wir nicht.“ Ja, und mit 18, 19 oder 20, sagt man, „Interessiert mich nicht!“, und hat gelebt.
Also ich hatte dann immer mal wieder so ein, zwei Schübe pro Jahr. Und dann habe ich den Neurologen gewechselt, bin damals in die Marianne-Strauß-Klinik gekommen, weil ich in München gelebt habe. Und da hat mich der Neurologe hingeschickt, hat gesagt, „Geh mal in die Marianne-Strauß-Klinik und schau Dir das mal so an, wie es anderen geht.“ Und das war so schockierend, weil da im Grunde alle Varianten der MS angefangen von jemanden, der das Bein leicht hinterher zieht, bis über jemanden, der im Rollstuhl gesessen ist und gar nichts mehr konnte. Und dann habe ich entschieden mit den Ärzten dort in einer Beratung... Die haben gesagt: „Probieren Sie es doch aus! Weil das Copaxone ist jetzt neu auf dem Markt.“ - war damals ganz frisch. Ja, und dann habe ich halt gesagt, „Ja, wunderbar, probiere ich aus.“ Und die haben gesagt, garantieren, dass es hilft, können sie auch nicht. Aber sie gehen davon aus, dass es positiv ist. Und ich muss im Nachhinein sagen, dass das Copaxone damals die goldrichtige Entscheidung war. Da habe ich also ab 1993 Copaxone genommen und fast zehn Jahre lang bis 2003. Und ich hatte dann von ein bis zwei Schüben pro Jahr eine Reduktion um die Hälfte. Ich hatte dann nur noch alle zwei, drei Jahre einen Schub, der aber auch leicht war. Das heißt, die waren nicht mehr so schwierig wie der erste, wo die Hälfte des Gesichtes gelähmt war, sondern ich hatte dann Kribbeln und Gefühlsstörungen und so. Und das war dann schon alles. Es waren keine großen Ausfälle mehr dabei. Auch richtig große Sehnerv-Entzündungen hatte ich nicht. Und ich bin der Meinung, dass das damals durch das Copaxone gekommen ist, was natürlich keiner garantieren kann. Aber das ist mein Glaube. Ich sage einfach, „Copaxone war goldrichtig!“ und hat mir im Grunde viel geholfen, dass meine Schübe seltener waren und eben nicht so schlimm waren. Und das war eben meines Erachtens die richtige Entscheidung, auf das Medikament zu setzen. Und dann lief es einfach weiter, bis 2003. Und dann habe ich es abgesetzt, weil dann die Verlaufsform in die sekundär progrediente gelaufen ist. Und dann hat es geheißen, „Eigentlich brauchst Du kein Medikament mehr nehmen.“ Keine Schübe mehr. Keine aktiven Gehirnveränderungen. Keine Kontrastmittelaufnahme ... bei den Herden. Also es ist im Grunde zum Stillstand gekommen, aber die Behinderungsprogression ist so ein bisschen stärker geworden. Und dann hat es geheißen, „Sekundär progredient: Da gibt es kein Medikament. Also lass das Copaxone weg!“
Aber ich habe es wunderbar vertragen. Ich hatte keine Flushes. Ich habe nur Hautreaktionen gehabt, die ich bis heute eigentlich immer noch ein paar Dellen habe, die einfach geblieben sind. Aber das Medikament habe ich wunderbar vertragen. Und es war damals eben noch täglich zu spritzen. Es ist ja erst vor zwei Jahren, glaube ich, diese Drei-Mal-in-der-Woche-Version herausgekommen. Und ich hatte aber noch die ursprüngliche Ein-Mal-pro-Tag. Und das war einwandfrei. Also, problemlos zu machen.
Also ich hatte eine sehr nette MS-Nurse, also MS-Schwester, die mir am Anfang gleich sehr viele Tipps gegeben hat, gerade bezüglich der Einstichstelle, wie man die Hautveränderungen vermindern kann, durch Kühlen vorher, Kühlen nachher, lange drin stecken lassen, nicht gleich wieder rausziehen. Das waren so handwerkliche Tipps und Kniffe, die diese MS-Schwester mir gleich am Anfang gesagt hat. Und damit habe ich dann die Angst auch verloren, selber mit einem Pen zu spritzen. Die war richtig gut und hat mir da auch richtig gute Tipps gegeben. Auch die Schwierigkeiten: Im Grunde sticht man es ja in den Oberschenkel, ins Gesäß, in die Oberarme und in den Bauch. Und muss eigentlich pro Einstichstelle unterschiedliche Einstechtiefen nehmen. Und das hat sie mir auch sehr gut erklärt, und damit waren im Grunde die Hautreaktionen minimal. Ja, ich würde sagen, einmal in der Woche habe ich einen blauen Fleck gehabt, weil ich irgendwie falsch gestochen habe und einmal im Monat eine Reaktion, wo es gejuckt hat und geknubbelt hat. Und wo einfach eine Beule in der Haut geblieben ist. Aber es ist beinahe alles wieder zurückgegangen. Es sind nur zwei, drei Stellen, die ich seit 2003 als Erinnerung daran hab, wo man es einfach weiß, da ist eine Stelle, wo es mal einen Knubbel gegeben hat, der sich nicht hundertprozentig zurückgebildet hat. Aber es ist wirklich, wenn man überlegt, in meiner Historie, die einfachsten zehn Jahre der Welt gewesen, ja. Also war jeden Tag spritzen, okay. Ab und an mal eine vergessen, ist auch nicht so schlimm. Also es war problemlos anzuwenden. Ja, also ich bin mit Copaxone gut gefahren und gut zurechtgekommen."
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