Zum Inhalt springen

Entscheidung gegen eine Immuntherapie

Wilhelm Taubert, 51 Jahre alt

MS-Diagnose seit 2011

Wird erst auf Klick geladen. Dabei stellt Ihr Browser eine Verbindung zu Vimeo her.

Wilhelm Taubert hat bisher noch keine Erfahrungen mit Immuntherapien gemacht.

Herr Taubert hat sich aktiv gegen eine Immuntherapie entschieden. Dabei spielte seine Erfahrung mit Medikamenten gegen Depressionen eine Rolle. Außerdem sind noch viele Aspekte der MS unerforscht und haben bei ihm zu einer Skepsis geführt. Hier erzählt er von seinem Entscheidungsprozess.

"Es spielte wahrscheinlich schon sehr eine Rolle, dass meine eigene Medikamentenerfahrung mit der Krankheit Depression, an sich, es war ziemlich grausig, also die Erfahrung. Das habe ich auch nicht ... das war schon drei, vier verschiedene und das hatte mich zu so einer grundsätzlichen Skepsis gebracht, was so etwas angeht und je mehr ich erfuhr, dass MS eben auch eine noch nicht ganz erforschte Krankheit ist, um es einmal so freudig zu sagen, und dass da weltweit geforscht wird, aber man weiß es nicht genau. Zum damaligen Zeitpunkt gab es eben nur Medikamente, die man sich spritzt und da hatte ich auch keinen Bock darauf, ehrlich gesagt, so gar nicht. In den Gesprächen mit Professor […] und mit anderen Ärzten hier stellte sich ja eigentlich sehr ... und durch die Schulungsgeschichten und Broschüren ... stellte sich ... war sehr klar eigentlich, okay, was gibt es denn so für Standard-Basis-Immunmodulatorische Medikamente? Und dann gibt es Interferon, das hat bei fünfzig Prozent durchschnittlich aller, die das nehmen, Depressionen, schwere Depressionen zur Folge. Netterweise war das dann im Gespräch mit Professor […] dann auch sehr klar, das ist dann wohl nicht das Mittel der Wahl, wenn es überhaupt dazu käme, sondern eher, wie heißt das andere mit C?

Copaxone, genau. Und das muss man sich auch spritzen und dann erst ein paar Jahre später gab es diese zwei, ich glaube, zwei Medikamente zur Auswahl, die man auch schlucken kann, aber dann auch mit Nebenwirkungen. Ich hatte immer, da kann man ja nichts für, ich jedenfalls nicht, dass ich da irgendwie so sehr skeptisch bin. Das war aber schon lange klar, mir jedenfalls, wenn ich viel schwerer betroffen wäre, hätte ich auch Sachen ausprobiert. Aber es war ja nun mal nicht so, glücklicherweise, und dann aber jetzt schon anhand der MRTs, die ich im Rahmen dieser Studienteilnahme wirklich, ich weiß nicht, ein Dutzend? Oder Fünfzehn MRTs in den ganzen Jahren bestimmt gemacht habe, gab es dann doch recht viele neue Läsionen. Anhand der Befunde kann man schon sagen, dass es eine aktive ... doch recht aktive MS ... ein MS-Geschehen gibt in meinem Körper, aber wichtiger als der Befund ist ja das Befinden. Das habe ich schon damals gelernt in anderen Zusammenhängen und habe auch hier im Rahmen einer Schulung gelernt, ja, okay, man kann schwere Symptome haben, aber man sieht gar nichts im MRT. Und andersherum genauso, man kann richtig viel im MRT sehen, aber man merkt davon als Betroffener nichts. Das fand ich eigentlich auch ... Ich fand, je mehr ich mitbekommen hatte hier durch verschiedene Informationswege, desto unklarer oder uneindeutiger sind, für mich jedenfalls, einige Dinge geworden, abgesehen von der, für mich am wichtigsten, der Prognosewirklichkeit. Wie geht es weiter? Dann habe ich irgendwann gedacht, ja, da kann ich es eigentlich nur buddhistisch sehen. Niemand weiß es irgendwie und ich fand es am Ende eigentlich recht entlastend, dass ich auch gar nicht ... ich muss gar kein Medikament nehmen. Was nützt mir ein Medikament? Sterbe ich daran vielleicht nicht aufgrund des Medikaments? Was es ja auch zu lesen gab, einige Leute ... Lungenentzündung, Nierenversagen und so und dann nehme ich das Medikament, habe dadurch aber schwere Nebenwirkungen, was ist das denn bitte für eine Lebensqualität? Ich fand es immer super von vornherein bei den ganzen Gesprächen mit den Ärzten, also diese Politik, es geht um die Patientenaufklärung, damit ich in den Stand komme, selber entscheiden zu können: Will ich das oder will ich das nicht? Und dann, das UKE, also die Ärzte hier jedenfalls das auch aushalten können, dass jemand wie ich anhand der Befunde, MRT, kein Medikament nimmt."

Thema: Entscheidung gegen eine Immuntherapie

Weitere Berichte zu diesem Thema