Kinderwunsch und Familie
Franziska Krahl, 36 Jahre alt
MS-Diagnose seit 2001
Die Interviewte beendete ihre Immuntherapie aufgrund eines Kinderwunsches und fühlte sich aber in der Zeit, in der sie keine Immuntherapie hatte, unsicher.
"Es war die Zeit, in er ich mein Studium abgeschlossen habe und auch angefangen habe, zu arbeiten. Und mein erster Job war tatsächlich ein extrem stressiger Job. Es war wirklich eine 60, 70-Stunden-Woche teilweise, also etwas, was man mit einer chronischen Krankheit eher nicht machen würde, aber es war mit der Gilenya kein Problem. Tatsächlich muss ich sagen, ist glaube ich diese Gilenya-Phase, die insgesamt so fünf Jahre gedauert hat, die fitteste Phase gewesen, die ich in meinem Leben so hatte. Darunter ging's mir richtig gut. Ich hatte im ersten Moment keine merklichen Nebenwirkungen davon. Ich hatte insgesamt in dieser Zeit einen Schub. Ja, also in 5 Jahren.
Abgesetzt habe ich es, weil ich schwanger werden wollte und ich hatte in der Zwischenzeit die Neurologin gewechselt.
Die war damals auch diejenige, mit der ich dann eben gesprochen habe, als es um Kinderwunsch ging und die das begleitet hat, also diesen Ausstieg aus Gilenya, wie diese Normalisierung der Werte, der Blutwerte, auf die man dann ja warten muss. Es dauert ja mehrere Monate, bis das Medikament wirklich aus dem Körper raus ist so zu sagen, also bis die Werte sich stabilisiert haben. Genau.
Ich habe allerdings in der Zeit, eben weil ich wirklich große Ängste hatte, habe ich recherchiert nach Alternativen, was ich machen könnte. Ich dachte, irgendetwas muss ich tun, um mir das Gefühl zu geben, dass ich irgendetwas mache. Ich glaube, es ist vor allem auch das Gefühl gewesen, dass ich nichts tue, was mir irgendwie Angst gemacht hat. Ich … ja, einfach dieses Gefühl, dazusitzen und nichts zu machen und zu warten, bis alles schlechter wird, das war etwas, was ich nicht gut ausgehalten habe, nicht gut aushalten konnte und ich habe damals herumgegooglt und bin zufälligerweise auf das Buch von Terry Wahls gestoßen. Ich weiß nicht, ob dir das was sagt. Terry Wahls ist eine Amerikanerin, eine Internistin, also eine Ärztin, die auch selber MS hat und die ein Programm entwickelt hat, ein Ernährungsprogramm für Menschen mit MS.
Ja ich hab eigentlich dann meine Ernährung dann auch das Basis-Programm umgestellt und damit sehr gut gefahren, also es ging mir sehr gut, bis … also ich bin dann schwanger geworden. Die Schwangerschaft ist auch sehr gut verlaufen, ich hatte überhaupt keine Komplikationen während der Schwangerschaft. Ich hatte eine sehr schöne Geburt auch von meiner Tochter. Also es ging alles eigentlich richtig gut bis zum Zeitpunkt, als ich dann ungefähr neun Monate gestillt hatte, unter massiven Schlafstörungen gelitten habe dank des Babys und das Kind mich eigentlich so ausgesaugt hat, dass meine Energie einfach komplett flöten war und in dem Moment hat keine Ernährung der Welt, also keine Ernährung der Welt hätte das noch auffangen können und das war dann wirklich der Moment, wo ich einen sehr schlimmen Schub hatte, der mich so richtig heruntergebracht hat. Das war der Moment auch, wo ich abgestillt habe, wo ich gesagt habe, okay, es reicht dann. Und es ist wieder Zeit für eine Therapie, ich muss wieder eine Therapie machen.
Dann bin ich wieder eingestiegen. Ich habe mich gegen die Gilenya wieder entschieden, also eigentlich hätte ich mit der wieder anfangen können, sprach nichts dagegen von der Neurologin aus, aber ich habe mich dagegen entschieden, eben weil der Gedanke doch da ist, dass ich vielleicht noch ein zweites Kind bekommen möchte und die Idee, die anzufangen und dann wieder abzusetzen mit diesem ganzen Prozess und so weiter, das hat mir nicht so gefallen, stattdessen hat mir die Neurologin dann die Tecfidera empfohlen, also die Fumarsäure. Die habe ich dann angefangen, zu nehmen und in Kombination tatsächlich mit den leichten Ernährungsrichtlinien funktioniert es bisher ganz gut, finde ich.
Es ist schon sehr anstrengend, der Alltag mit Kind, auf jeden Fall, gerade auch jetzt, wo ich wieder arbeite natürlich. Eigentlich läuft das ganz gut, finde ich. Ich probiere, mir auch mit ihr zusammen Pausen zu nehmen und eben auch zu sagen, okay, die Zeit, die ich mit ihr spiele oder so, ist für mich eigentlich auch als Erholung zu nehmen so ein bisschen. Ist es tatsächlich auch und dann ist es auch wieder überhaupt nicht, weil es ist doch anstrengend. Ja es ist halt hart, dass jemand anderes da so die Kontrolle übernimmt, das ist wirklich … das erleben, glaube ich, alle Eltern, egal ob mit MS oder ohne. Aber jetzt so für meine Ruhephasen und Entspannungsphasen, die kann ich mir eben nicht mehr so nehmen, wie ich mir das früher genommen habe teilweise. Ja das ist ein von Tag zu Tag gucken, dass es irgendwie funktionier. Da ist aber mein Mann ist eine extreme Hilfe. Also ohne ihn würde das alles überhaupt nicht funktionieren. Und dadurch, dass wir uns eben, dass wir versuchen uns abzusprechen, dass wir versuchen, die Verantwortlichkeit aufzuteilen und auch die Zeit aufzuteilen und zu gucken, dass jeder auch so ein bisschen was für sich machen kann mal. Es geht irgendwie. Aber es ist tatsächlich … eine Frage, die ich tatsächlich habe, ist, wie es ist, wenn sie älter ist, wenn sie tatsächlich danach fragt, auch. Da habe ich überhaupt keine Ahnung, wie das sein wird, also wie ich ihr das erzählen möchte und wie ich mit ihr darüber sprechen möchte, das ist tatsächlich ein sehr großes Fragezeichen, da ist sie im Moment noch viel zu klein für, aber das ist schon etwas, was mich durchaus beschäftigt."
Thema: Kinderwunsch und Familie