Austausch mit MS-Betroffenen
Wiebke Seif, 37 Jahre alt
MS-Diagnose seit 2007
Wiebke schätzte den Informationsaustausch zum Beispiel über die Teilerwerbsrente an ihrer Selbsthilfegruppe der AMSEL (DMSG) besonders.
"Also ich bin auch in der AMSEL, das ist die Abteilung in Baden-Württemberg für Multiple Sklerose. Wir haben eine ganz goldige Gruppe. Wir haben Unternehmer auch viel. Man tauscht sich aus, was gut ist, weil die anderen haben andere Defizite oder du weißt mehr, weil du halt schon länger dabei bist. Ich bin für die meisten das Wörterbuch, weil ich so viel kenne und ich helfe auch meinen Freunden, Teilhabe am Arbeitsleben durchzuboxen, weil ich weiß, wie das geht. Und ich kann es nur sagen, es ist etwas Schönes, wenn jemand einem das erklärt, wie zum Beispiel Teilerwerbsrente. Die meisten haben Angst und sagen: „Ah, ich verliere meinen Job.“ Das stimmt nicht. Wir haben das Recht auf einen Schwerbehindertenausweis und dadurch bin ich gleichgestellt. Das bedeutet, dass ich auch dieselben Rechte habe, aber habe mehr Urlaub, meinen Job kann man nicht verlieren durch diese Diagnose. Und was ganz arg wichtig ist, die Berufslebensgeschichte bedeutet, jede Firma muss Schwerbehinderte einstellen, also tun wir ja diesen – wie heißt das Wort – diese Quote erfüllen. Also die Quote für Schwerbehinderte muss jede Firma erfüllen und wenn man mal einen Schwerbehindertenausweis hat, muss man ihn auch wirklich in der Firma geben, weil man hat mehr Urlaub, man hat eigentlich einen sichereren Job, weil das Integrationsamt muss jeder Kündigung zustimmen. Das ist auch ganz arg wichtig, weil wenn man arbeitet, hat die Firma ein Vorteil und nicht nur einen Nachteil.
Ich finde es auch toll, wenn man auch die Vorträge besucht. Also es gibt von der Uni sehr tolle Vorträge oder manche Ärzte machen das. Das finde ich ganz arg wichtig, weil da ist man immer auf dem neuesten Stand. Es ändert sich immer etwas, zum Beispiel, das wissen auch viele nicht, wenn man einen Schwerbehindertenausweis hat und den dem Deutschen Rentenversicherungsträger schickt, dann darf man früher in Rente. Das finde ich auch ganz arg wichtig. Das wissen die meisten gar nicht, dass man sich engagieren muss und auch die Informationen weitergeben muss, weil die Deutsche Rentenversicherung weiß ja nicht, dass man jetzt ein Schwerbehinderter ist. Das ist nicht automatisch. Oder auch, wenn man einen Schwerbehindertenausweis hat, dass man dadurch Erleichterungen kriegt im Alltag. Also man kriegt vergünstigte Eintritte, man kriegt einen Steuervorteil, manchmal auch einen Parkausweis, je nachdem, oder Parkerleichterungen. Es ist wirklich viel, wo man erfahren kann. Man muss sich informieren und deshalb finde ich so eine Selbsthilfegruppe etwas ganz Tolles."
Thema: Austausch mit MS-Betroffenen