Arbeit und Ausbildung
Marita Enke, 59 Jahre alt
MS-Diagnose seit 2008
Marita hat durch die MS zusammen mit ihrem Mann Ferienwohnungen auf ihrem Hof geschaffen und bietet Reittherapie an.
"Mein Alltag mit der MS. Ja, der ist irgendwie so, dass, ja, ich bin viel Zuhause. Ich gehe nicht mehr woanders arbeiten. Ich mache so diese, die Arbeit mit dem Pferd bei mir auf dem Hof. Habe aber nach und nach, das ging alles über Jahre. Also der Stand, der jetzt ist, ist wirklich ein Produkt von 11 Jahren, die nicht immer leicht und nicht immer selbstverständlich waren. Aber so wie es jetzt ist, merke ich, ich lebe in einem Rhythmus, der durch mich gesteuert wird. Im Grunde, ich könnte ja im Bett bleiben, wenn ich wollte. Oder ich könnte früh aufstehen, oder ich kann machen wie ich will und habe so meinen Rhythmus. Und die Termine, die ich habe, die lege ich mir alle selber. Also das bisschen, was ich an festen Terminen haben, die sind eigentlich alle durch mich selbst so gelegt.
So, ich habe meine Krankengymnastik, also meine Physio-Frau. Ja, die MS, da bin ich wieder froh drum, dass ich das selbstverständlich bekomme. Ich muss da nicht drum bitten und nicht irgendwas haben, dass ich jetzt wieder sechs Mal Krankengymnastik kriege, sondern, ganz klar, kann ich einmal die Woche zu der Frau gehen. Und das sehe ich als ganz gut an. Und was die da mit mir macht oder ich bei ihr, ob das jetzt MS-spezifisch ist oder nicht, egal. Also das beziehe ich dann, ja, das ist Teil meines Alltags. Ich habe meine Reitgäste. Lege die Termine, wie ich sie möchte. Es ist alles überschaubar. Ich darf ja gar nicht viel. Zur Rente darf ich ja gar nicht viel dazu verdienen.
Das heißt, ich habe von außen schon den Deckel, mach mal nicht so viel. Und von innen habe ich dann … Oder das Alibi habe ich dann für mich. Ich kann ja gar nicht viel machen. Ich darf ja gar nicht viel machen. Und ich brauche ja nicht. Also diese zwei Wege, von außen kommt dieses, Du darfst nicht. Von innen ist es das Alibi. Und für mich einerseits … Nein, für mein Leben ist es das Alibi und mein Innerstes ist dieses, ruh dich aus, du brauchst es nicht. Also so eine Entspannung dabei. Genau. Und in der lebe ich eigentlich auch weitgehend. Das heißt, viel Selbstbestimmtes und was wir haben an Feriengästen, das ist manchmal ein bisschen anstrengend. Aber es ist so überschaubar. Ich achte auf … Also Feriengäste heißt, wir haben zwei Ferienwohnungen, die wir vermieten. Und alles in einem kleinen Rahmen. Ich mache vieles selber. Aber wir haben auch Hilfe, jetzt für sauber machen und handwerkliche Dinge. Und mein Mann macht ganz ganz viel. Und ich achte drauf bei den Buchungen, dass immer zwei Tage dazwischen sind, dass ich nicht unter Druck komme. Das ist ganz entscheidend für mich. Bei allem. Wenn ich merke ich bin bei irgendwas knapp in der Zeit, dann rufe ich an und sage, ich weiß nicht, ob ich es pünktlich schaffe. Und dann reicht die Zeit meistens, aber ich bin entlastet. Das ist was ganz Entscheidendes. Und das zieht sich durch meinen Alltag. Druckentlastung immer. Bei allem, was ich tue. Und Termine, die ich suche, da achte eben drauf, dass da nichts zu eng ist. Wenn es geht."
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