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Psychologische Therapie

Marina Neuser, 53 Jahre alt

MS-Diagnose seit 1999

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Marina erzählte von ihrer Therapieerfahrung, bei der auch die Neuropsychologie berücksichtigt wird. In der Therapie konnte sie ihre Sorgen los werden, ohne dabei auf den Zustand des Gegenübers achten zu müssen.

"Psychotherapie ist eine große Baustelle. Ich habe vorhin schon mal so ein bisschen mit dem Stichwort Krankheitsverarbeitung. Es ist nur ein Schlagwort. Da steht meistens noch viel dahinter. Da habe ich auch im Rahmen der ambulanten Rehas gute Unterstützung erfahren, gerade wo sich das überlappt mit den kognitiven Problemen, mit dem Neuropsychologischen. Es sind ja beides Psychologen normalerweise von der Ausbildung her. Gut, es gibt auch medizinische Psychotherapeuten. Aber psychologische Psychotherapeuten und neuropsychologische Psychotherapeuten, dass die so ein bisschen auch von beiden Sachen erst mal Ahnung haben. Und natürlich, wenn man irgendwie blockiert ist, dann kann es natürlich auch immer eine emotionale Sache sein und das wird sich sicherlich gegenseitig verstärken oder triggern oder sonst wie. Das ist aber eben alles keine Einbildung. Das hat alles Gründe und Ursachen. Und wenn man einen Behandler oder eine Behandlerin hat, mit dem das möglich ist, ein gutes Bündnis zu schließen, um einfach daran irgendwie zu arbeiten, dann kann das sehr helfen.

Ich habe in der Hinsicht also emotional eine ganze Zeit lang sehr gehadert mit all dem, mit den ganzen Sachen, wie die Multiple Sklerose mein Leben umgekrempelt hat. Und ich habe eine Therapie gemacht, die mir wirklich gut geholfen hat, wo ich dann einige Jahre auch gut klar kam und dann gab es wieder Schwierigkeiten. Das Wunderschöne ist, dass ich im Moment einen Therapeuten habe, mit dem ich gut klarkomme, der auch genug Ahnung hat von diesen neuropsychologischen Sachen, die wir in dem Zusammenhang jetzt nicht behandeln. Ich habe dann auch noch mal ambulant da probatorische Termine bei einer Neuropsychologin gemacht, die dann aber eben auch meinte, das ist in einem Bereich, wo man sozusagen hauptsächlich die bestehenden Probleme kompensiert. Also da ist etwas, das ist nicht Einbildung und das ist auch nicht alles nur emotional und Krankheitsverarbeitung oder schlechte Strategie oder schlechte Einstellung, sondern da ist etwas, aber das ist in einem Bereich, der eben… Ja, wie soll ich sagen? Ich habe hohe Ansprüche an mein eigenes Funktionieren.

Also ich habe mit meinem Psychotherapeuten jetzt keine ernsthafte Therapie, aber wir machen im Moment, er nennt das Ankertermine, dass wir uns in gewissen Abständen treffen. Grundlage ist so alle drei Monate, wenn schlechte Phase ist, auch alle zwei Monate und so, um einfach so ein bisschen zu stabilisieren und einfach jemanden, wo ich nicht Sorge haben muss, dass ich ihn runterziehe, der das aushalten kann und der schon für sich selber sorgt.

Es ist irgendwie, wenn man so jung ist und das wirklich überdurchschnittlich gut konnte und sein Berufsleben und sein Selbstverständnis damit eng verknüpft ist, dann ist das ganz schön schwierig, zu akzeptieren, dass es so nicht mehr funktioniert und es hat eben Auswirkungen auf alles. Und deshalb die Neuropsychologie, die hat mir eben schon geholfen, indem ich ermutigt wurde, gewisse Sachen, Zusammenhänge zu verstehen und auch das zu objektivieren. Wo liegt das Problem? Bei mir eben extrem die gleichzeitige Aufmerksamkeit.

Und wenn ich eben in Bezug auf Therapie, da ist meine Erfahrung eben nicht ganz so doll, weil wie lange dauert es in der Reha? Höchstens drei Wochen normalerweise. Also insofern, ich habe von meiner Krankenkasse nach der ersten oder zweiten Reha, also noch in den Nullerjahren, auch so eine CD bekommen, dass ich dann am Computer da entsprechend ein bisschen etwas spielen kann. Aber das, was ich eben besonders wichtig fand, das war die Information, ich muss nicht Sudoku machen, wenn ich darauf keinen Bock habe. Man sagt immer bei der Krankengymnastik: „Use it or lose it.“ Finde ich einen schönen Spruch. Also ich muss die entsprechenden Muskeln immer wieder versuchen anzusprechen und auch schon alleine die Nervenansteuerung, dass die Bewegung geht, dass die Sachen ein bisschen aufgedehnt werden. Ähnlich beim Denken, aber ich muss nicht Kreuzworträtsel machen, wenn es mir darum geht, im Gespräch und so… Wenn ich im Gespräch bin, dann ist sprechen gut. Also das, was ich will. Dann musste ich natürlich auch an meiner Frustrationstoleranz arbeiten, also Krankheitsverarbeitung. Das ist dann nicht mehr Neuropsychologe, sondern Psychologe und Psychotherapeut.

Zusätzlich zur Religion, zur Musik, zu Freundschaft und Liebe und Familie ist es einfach gut, wenn man dann noch mal jemanden hat, wo man die Ängste auch aussprechen kann, jemand, der das aushält, ein Mensch, der das aushält mit einem zusammen."

Thema: Psychologische Therapien

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