Psychologische Therapie
Johannes Manske, 56 Jahre alt
MS-Diagnose seit 2007
Für die Akzeptanz der MS half Johannes die Psychotherapie sehr. Über diese erhielt er zusätzlich den Rat MBSR auszuprobieren und hat diese Achtsamkeitsschulung für sich entdeckt.
"Da habe ich dann auch eben relativ zeitnah auch mit der Psychotherapie begonnen, weil man natürlich dann auch eben erstmal in so ein Loch reinfällt. Man traut sich natürlich nicht auch jedem zu sagen: Ich habe jetzt MS. Weil ich habe auch in meinem beruflichen Umfeld Bekannte gehabt, wo die Familienangehörigen zum Teil MS hatten und zu dem Zeitpunkt gab es noch nicht solche Medikamente, wie es die heute gibt, und habe dann immer so dramatische, ja, unter der Hand dramatisch Präsentationen mitbekommen, wie es dem Familienangehörigen geht, ähnlich wie bei einer Alzheimer-Demenz, wenn er in ein Pflegeheim kommt, die ganzen Vor- und Nachstufen dann, dass dann sehr stark eine imaginäre Panik entsteht, um Gottes willen, hoffentlich trifft mich das nicht. Und wenn man dann auf einmal diese Krankheit bekommt und immer vergleicht mit so Horrorstories, die man so kennt, als Normalbürger befasst man sich auch nicht wirklich damit, das studiert man jetzt nicht, was ist das für eine Krankheit. Und wenn ich wie jetzt hier in der Reha-Klinik bin und ich dann halt eben mit anderen Patienten Kontakt habe, fragt man auch, bist du auch wegen MS? Und er dann: Nein, ich bin wegen was ganz anderem da. Da höre ich auch Krankheiten, die ich noch nie gehört habe, noch nie gehört habe. Wo man denkt, dass man als MS-Patient dann schon wirklich gut unterwegs ist, so mit Wissen über die Krankheit. Aber es ist dann auch eben nur auf seine Sache bezogen und es gibt ganz, ganz andere Krankheiten, noch schlimmere Krankheiten, die schon von vornherein gar keine Perspektive darstellen, wo man dann auch zu diesen Menschen Kontakt aufnimmt und fragt: Wie gehst du eigentlich damit um? Dann sieht man schon, dass man eigentlich einmal nicht alleine ist und dass es doch schon viele Möglichkeiten gibt, aber jeder andere Normalbürger, der gar keine chronische Erkrankung hat, wenn der mit am Tisch sitzen würde, der würde wahrscheinlich wegknicken, der würde wegrennen, der würde sagen: Nein, das halte ich nicht aus. Das will ich alles nie haben. Und das ist dann eben so dieser Umgang, dieses in dieser Krankheit anzukommen, zu sagen: Okay, ich suche jetzt nicht die Möglichkeiten, die Krankheit nicht zu haben, sondern ich habe die jetzt und die wird auch nicht weggehen, die wird mein Leben lang da sein, die ist ein Teil von mir. Und damit umzugehen, da ist eine Psychotherapie, denke ich, ganz wichtig. Also mir hat es geholfen. Und da wurde mir auch angeraten, eine weitere Therapie zu machen, das wird auch nicht bezahlt, aber es hat mir mein Leben nochmal deutlich erleichtert, Das ist der sogenannte MBSR, mindful-based stress reduction, auch anders formuliert die Achtsamkeitsschulung. Und dort gibt es auch sehr viele gute Literaturen, wie man da drankommt. Jon Kobat-Zinn, das kommt aus den USA, aber das müsste jeder Mensch eigentlich irgendwo gesetzesmäßig aufgetragen bekommen das mal mitzumachen, dass man einfach die Achtsamkeit mit sich selbst… das fängt an, wie schmeckt eine Rosine, wie sieht eine Rosine aus, bis da dann hin, was passiert eigentlich in mir, wie gehe ich mit mir selber um, wie gehe ich eigentlich… wie achtsam gehe ich eigentlich jeden Tag mit mir um. Und das ist immer wieder ganz wichtig in den Tagesalltag mit einzubringen. Und das hat mir sehr gut geholfen, dass ich auch in der Krankheit angekommen bin, in mir selbst angekommen bin, auch im Jetzt angekommen bin. Dass ich nicht mehr sage: Wenn das und das kommt, geht es mir wieder schlechter. Oder es muss das und das kommen, damit es mir besser geht. Das ist dann glaube ich bei vielen Menschen, die keine chronische Erkrankung haben, der gleiche Punkt, ich warte immer auf das… was muss kommen, damit es mir besser geht, anstatt dort mal zu sehen, was ist jetzt eigentlich in dem Moment, wo ich jetzt bin, ich habe so viele Möglichkeiten, jetzt auch Lebensqualität zu erfahren und nicht mehr drauf zu warten, dass es mir schlechter mal geht. Dann verpasse ich nämlich dann halt immer wieder das Leben. Ich kann immer nur im Jetzt leben, es gibt keine Vergangenheit. Es gibt eine Vergangenheit, aber es gibt keine Zukunft. Ich lebe immer nur im Jetzt."
Thema: Psychologische Therapien