Psychologische Therapie
Franziska Krahl, 36 Jahre alt
MS-Diagnose seit 2001
Franziska empfand die Psychotherapie von allen Therapiemaßnahmen am hilfreichsten.
"Am Anfang war das für mich tatsächlich nicht so schwer. Man muss dazu sagen, ich komme aus einer Gegend, ich komme aus einem sehr, sehr kleinen Dorf, also kennt wirklich jeder jeden. Und dass irgendetwas mit mir war, haben einige mitbekommen. Freunden das zu erzählen, ist mir überhaupt nicht schwergefallen damals. Die Leute, mit denen ich wenig Kontakt hatte, denen habe ich es nicht erzählt. Ich weiß nicht, das war für mich keine Hürde im ersten Moment. Das hat sich verändert, als ich nach Berlin gekommen bin, wo mich ja niemand kannte, wo ich niemanden kannte. Ja, tatsächlich auch relativ offen mit Leuten, die ich kennengelernt habe an der Uni, ich habe das nicht sofort thematisiert oder so, aber wenn sich irgendwie die Gelegenheit geboten hat, habe ich es dann erzählt. Hatte damit keine Berührungsängste. Im Grunde hat sich das irgendwann geändert. Ich kann nicht sagen, warum. Aber irgendwann bin ich sehr, sehr scheu geworden, vielleicht auch dadurch, dass sich die Krankheit verschlimmert hat, also dass ich das Gefühl hatte, es verschlechtert sich, bin irgendwann sehr, sehr scheu geworden und habe eigentlich zumindest mit Leuten, die ich nicht … und auch mit Freunden letztendlich, muss man eigentlich sagen, eigentlich habe ich mit niemandem so richtig darüber geredet für eine lange Zeit. Was vielleicht noch wichtig ist tatsächlich, dass ich 2000, wann war das?… als ich keine Therapie hatte irgendwann. In der Zeit habe ich eine Therapie angefangen und die hat sich relativ langgezogen. Ich habe relativ lang Verhaltenstherapie gemacht.
Immer mit der gleichen Therapeutin und hab an der Stelle viel darüber gesprochen, aber jetzt im Alltag mit meinen Kontakten, Freunden, Bekannten, sehr, sehr wenig. Ich weiß noch, dass eine Freundin das mal zu mir gesagt hat, die das irgendwie befremdlich fand. Die meinte: „Aber du redest ja auch nicht darüber.“ Ich mich darüber total gewundert habe in dem Moment und dachte, aha, so wird das also wahrgenommen, ist ja interessant. Ich hatte da nie darüber nachgedacht. Ja. Offensichtlich hatte ich sehr starken Redebedarf, aber habe es nicht geschafft, das in meinem Umfeld so zu, diesen Rahmen der Therapie, um sagen zu können, hier kann ich über meine Krankheit sprechen.
Am hilfreichsten war die Therapie, definitiv, die Psychotherapie.
Die lange gedauert hat und die mich letztendlich aber wirklich an einen Punkt gebracht hat, wo ich Erleichterung verspürt habe. So toll die Medikamente alle sind und so sehr sie den Alltag erleichtern, teilweise, also den Alltag erleichtern können, eine wirkliche Erleichterung verspürt, habe ich nur aufgrund der Medikamente eigentlich nie. Die haben mir immer geholfen, definitiv, und ich würde auch immer sagen, wie gesagt, die Phase, in der ich nichts genommen habe, ich glaube, es war falsch, aber eine wirkliche innere Erleichterung hat mir, glaube ich, diese Therapie verschafft. Die hat mir ganz viel von der Seele genommen, was da lag und was hinderlich war letztendlich, was Energie gezogen hat, unglaublich viel Energie gezogen."
Thema: Psychologische Therapien