Interferone
Simon Kern, 47 Jahre alt
MS-Diagnose seit 1995
Simon Kern hatte insgesamt drei Immuntherapien ausprobiert und mit dem Interferon (Avonex®) angefangen. Aktuell macht er eine Therapie mit Ocrelizumab (Ocrevus™).
Der Neurologe hat Herrn Kern empfohlen, nicht sofort mit einer Immuntherapie nach der Diagnose anzufangen. 5 Jahre später hat Herr Kern angefangen sich Avonex® zu spritzen, was für Ihn auch gut funktionierte. Aufgrund von Nebenwirkungen musste er es aber absetzten.
"Das war noch … Das war gerade kurz vor Zulassung des Interferons hier. Damals musste man das noch über internationale Apotheken beziehen. Also die Zulassung hier in Deutschland, die stand kurz bevor. Jedenfalls, es war Thema zu meiner Zeit. Damals war Imurek noch Thema, diese Therapie, Medikamente dieser Form. Aber dann mit einmal war das Interferon ein großes Thema und mein Neurologe sagte damals, nein, wir lassen das, auch mit Imurek und so weiter, weg, wir lassen die Hände davon. Wir lassen das ruhen. Wir lassen die Krankheit, die MS, solange in Ruhe und schreiten dann erst zur Tat mit Medikamenten, wenn sie dann wirklich stärker wird.
Gut, also, wobei … ich war schon so ein bisschen aufgeregt dadurch, dass ich eine relativ dichte Schubfolge hatte anfangs. Da hatte ich schon das Gefühl, ich will jetzt mal anfangen mit irgendetwas, aber der Neurologe damals sagte halt, das würde nichts bringen. Gut, ich habe soweit darauf vertraut, weil ich ja auf der anderen Seite gut reagiert habe auf das Kortison. Da gehst du hin, kriegst paar Infusionen Kortison ab und dann gehst du wieder und dann sind die Symptome verschwunden und dann ist gut.
Wie lange wird das gewesen sein? Fünf Jahre? Also nach der Diagnose. Ungefähr fünf Jahre, ja.
Und dann sagte er, na gut, fangen wir dann doch mal mit dem Interferon an. Das habe ich dann auch gemacht.
Ich habe sie mir ja gespritzt. Subkutan, wie es heißt. Gut, das funktionierte einwandfrei. Was nicht so schön war, waren diese Einstichstellen, diese Rötung der Haut und was diese anderen Nebenwirkungen, sprich, dieses fiebrige oder was man da haben kann, dieses grippeähnliche, das hatte ich nicht so doll, an sich gar nicht. Und wenn ich das mal hatte, habe ich eine halbe Aspirin oder Ibuprofen genommen und dann war gut. Im Großen und Ganzen lief das. Bloß der Platz auf der Haut, der wurde natürlich über die Jahre immer weniger. Ich war dann irgendwann mal in Berlin in der Charité, weil ich so gehörige Bauchschmerzen hatte. Also ich habe Interferon anfangs immer in den Bauch gespritzt. Und die konnten sich da diese Bauchschmerzen nicht erklären und die haben alles Mögliche an Untersuchungen angestellt, bis dann irgendwann einer mal sich noch einmal genauer das Ultraschallbild meines Magens anschaute und dabei feststellte, dass also so viele Narben sind unter der Haut, die dann wohl auch … und auch entzündete Narben, die wohl dann diese Bauchschmerzen verursacht haben.
Das waren dann halt Interferonspritzen-Narben, woraufhin mir dann dringend angeraten wurde, die Einstichstellen, die Spritzstellen zu wechseln, was ich dann auch gemacht habe, aber da haben sich dann auch irgendwann diese Schmerzen dann eingestellt, also Nekrosen, Entzündungen der Haut, die dann zur toten Haut führen so ungefähr, aber ja, ich habe es dann weiter gespritzt.
Bis, ja, bis letztes Jahr.
Ja, dann hieß es mit einem Mal, naja, insbesondere wegen dieser Spritzennarben und dergleichen … Dann waren neue Medikamente am Start: Probieren Sie doch einmal das, das Aubagio® und dann habe ich das genommen. Man muss sagen, das Interferon hat sehr gut gewirkt. Ich war wirklich sehr, sehr lange schubfrei. Wobei man sich auch fragen kann, lag es am Interferon oder ist das einfach eine Ruhe der MS einfach so, die auch eingetreten wäre, ohne da etwas zu spritzen. Und dann jedenfalls, ist ja auch egal, habe ich dann das Interferon genommen und dann war die Ansage, dass das Interferon sich ungefähr ein halbes Jahr im Körper halten wird, noch, nach der letzten Spritze. Und dann setzt die Wirkung … dann ist die Wirkung des Interferons vorbei. Aber da habe ich dann jetzt schon das Aubagio® genommen. Bloß interessanterweise bekam ich nach einem halben Jahr … bekam ich dann Schübe.
Dann kam der erste und dann, ein, zwei Monate später wieder einer. Was ja dann doch schon ein Beleg dafür war, dass erstens die Krankheit noch aktiv ist, das Interferon irgendwie gewirkt hat und das Aubagio® gar nicht."
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