Interferone
Gerd Friedmann, 31 Jahre alt
MS-Diagnose seit 2016
Gerd Friedmann hatte insgesamt zwei Immuntherapien ausprobiert und mit dem Interferon (Rebif®) angefangen. Aktuell nimmt er Ocrelizumab (Ocrevus™).
Der Alltag und vor allem das Sozialleben wurden laut Herr Friedmann durch die grippeähnlichen Symptome, die nach dem Spritzen des Rebif® aufgetaucht sind beeinträchtigt.
"Ich habe mich für die schwächere Therapie entschieden. Mein Neurologe hat mir die Wahl gelassen. Er hat mich auch noch aufgeklärt was die Vorteile von dem sind. Ob ich noch was wissen will, was die Vorteile und Nachteile von dem Mittel sind und so weiter. Und ich habe mich dann für Rebif® entschieden, also für Beta-Interferon.
Ich hatte einfach Angst vor einer starken Nebenwirkung und dachte, okay, vielleicht ist es ja bei Beta nicht so schlimm. Vielleicht reicht ja Rebif® aus. Ich habe vorher auch über Beta-Interferon Interviews gesucht. Und es gab auch ein Audio-Podcast irgendwo, wo ein Künstler, der MS hat darüber geredet hat. Und für ihn war Rebif® das beste Mittel was er jemals gefunden hat. Und das fand ich so faszinierend. Und ich dachte, okay, vielleicht ist es ja wirklich gar nicht so schlimm. Das war jetzt der erste Schub. Und ich habe noch Zeit. Aber ich sollte trotzdem so schnell wie möglich versuchen den Verlauf zu stoppen. Und das war eigentlich der Hauptgrund, dass ich Angst hatte vor einer stärkeren Therapie und deswegen gesagt habe, okay, Spritzen sind mir eigentlich egal. Ich wurde früher, oder habe mehrere Hypo-Sensibilisierungen durchlaufen für Frühblüher-Allergien. Und auch da waren mir die Spritzen egal.
Es stellte sich raus, das ist sehr schlimm, wenn man sich alle zwei Tage selber eine Spritze setzen muss. Insbesondere der Lebensumstand oder das Leben stellt sich komplett danach um. Es ist nicht nur die Spritze, die man sich setzen muss, sondern am Anfang hat man auch noch sehr viel Schüttelfrost davon oder sonstige Nebenwirkungen Magen-Darm betreffend. Oder Schlaflosigkeit. Oder es brennt. Oder sonst wie was. Das bessert sich, umso länger man das nimmt. Aber am Anfang ist insbesondere dieser Schüttelfrost, der war wirklich sehr schlimm. Das hat quasi geheißen, mein Rhythmus war Montag, Mittwoch, Freitag am Anfang. Montag nehme ich es, Montagabend. Das heißt ich kann am Montag quasi auch nichts machen, abends mit Freunden ausgehen oder sonst was ist nicht, weil ich muss mir eine Spritze gegen 21 Uhr setzen. Das sollte auch immer gleichmäßig sein. Muss mir da eine Spritze setzen. Okay. Dann setzt man sich die Spritze und hat über Nacht Schüttelfrost. Schläft also nicht richtig. Und hat ziemliche Kopfschmerzen am nächsten Tag. Das heißt, die Hälfte vom Dienstag ist auch noch völlig für den (unklar). Dann hat man Zeit zum Durchatmen. Dann kommt schon der Mittwoch. Und Mittwoch muss man sich wieder die Spritze setzen. In meinem Beruf, was damals noch, hatte ich noch die Berufsbeschreibung Technical Presales gehabt. Wir sind auf sehr viele Veranstaltungen geflogen. Und das war ein sehr großer Umstand, das Rebif® mit durch die Kontrollen durch zu bekommen, damit es auch gut gekühlt wird und so weiter. Und mit Nadeln durch die Security durch, das ist halt auch so eine Sache. Und auch wenn man diesen Schein dabei hat, dass das okay ist, wird da trotzdem reingeguckt. Das heißt aber, diese ganze Flexibilität, wenn man beruflich fliegt, nur mit Handgepäck, wir gehen nur schnell durch den Check-In und müssen dann eigentlich schon zum Flieger, weil wir das so knapp tackten können, war bei mir dahin. Das war ein größerer Umstand. Dann natürlich, dass ich mir die Spritze am Freitagabend setzen musste. Das heißt, am Freitagabend mit Freunden irgendwas unternehmen, ist nicht drin, weil man früh genug Zuhause sein muss. Das gleiche gilt für den Samstag. Weil wenn man bis frühen Nachmittag Kopfschmerzen hat, dann ist man froh die danach los zu sein. Und dann will man sich erstmal hinlegen. Und Zack ist Sonntag. Für mich war dieser Umstand, dass ich mir selber eine Spritze setzen muss, das war mir egal. Das desinfiziert man vorher und dann hat man halt die Wahl. Entweder setzt man sich direkt eine Spritze oder man macht das über einen Automaten. Ich hatte beides. Ich fand die Spritze sogar angenehmer, ein Stück weit, als den Automaten. Aber, die roten Punkte haben mich auch nicht gestört, die man davon trägt. Dadurch dass man die Stellen eher rotiert, hält sich das so halbwegs in Grenzen, wenn man das wirklich macht. Aber der Einschnitt war schon sehr stark und auch für alle meine Freunde und später dann auch meine Freundin merklich und sichtbar. Ja. Man kann gegen diesen Schüttelfrost natürlich einiges tun. Man hat die Wahl, dass man natürlich Schmerztabletten nehmen kann. Aber diesen Schüttelfrost wird man auch noch ein halbes, oder zumindest die Kopfschmerzen, wird man ein halbes Jahr später auch noch haben. Denn muss jeder Mensch sich selber die Frage stellen, nimmt man Schmerztabletten oder steigt man auf biologische, in der Grauzone befindliche Sachen um. Und, mir hat das Kiffen sehr geholfen dabei. Aber auch da muss man halt … Also ich bin in dem Vorteil, dass es in Berlin die freie Auswahl gibt. Und das Material im Gras ist hier gut, wenn man weiß wo man sich hinwenden muss. Wenn man weiß welchen Stamm man braucht, dann ist das auch gut. Aber das erfordert sehr viel hinterher recherchieren. Und für mich war es wichtig, dass ich davon müde werde. Dass ich davon sofort schlafen kann, weil ich diesen Schüttelfrost im Schlaf nicht spüren möchte, sondern ich will durchschlafen. Aber der Schlaf ist trotzdem nicht sehr erholsam. Man schläft zwar sehr sehr tief, aber er ist trotzdem nicht erholsam. Das heißt, am nächsten Morgen hat man es trotzdem noch in den Knochen."
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