MS Diagnose
Luise Kampen, 29 Jahre alt
MS-Diagnose seit 2013
Für Luise kam die Diagnose überraschend. Sie beschreibt das so, als würde man zu einer normalen Zahnuntersuchung gehen und würde dann gesagt bekommen, dass auf einmal alle Zähne kaputt sind.
"Bei mir hat es angefangen 2011, so im Januar, Februar, dass ich das erste Mal gemerkt habe, meine rechte Hand, ich weiß noch ganz genau, an der Daumenspitze aus hat es angefangen. Und dann habe ich mir gedacht, so, was ist denn da. Und das hat sich so ein bisschen angefühlt wie wenn man von einem Kaktus was drin hat. Das hat sich so ganz merkwürdig angefühlt. Und da war aber nichts. Und dann ging es immer weiter bis es so die ganze Hand war. Und dann bin ich zum Arzt erstmal gegangen. Ich habe damals gekellnert. Und dann hieß es, ja klar, ist auf jeden Fall eine Überbelastung vom Handgelenk und so. Und daher kommt das, das ist irgendwas mit den Nerven innendrin und das klemmt das ab. Und deshalb ist das taub. Ich soll eine Schiene tragen. Dann habe ich die Schiene getragen. Und das wurde halt merkwürdigerweise kein bisschen besser. Bis es dann sich hier über den Oberarm runter ging in meinen Brustbereich. Also ich habe dann beim Duschen gemerkt, okay, mein Brustbereich, mein Bauch, es ist alles irgendwie taub. Es wäre blöderweise ein Samstag und ich sollte am Sonntag für ein Jahr nach Australien fliegen. Und dann bin ich halt in die Notaufnahme. Ich wusste, okay, ich muss das irgendwie abklären, bevor ich morgen in ein ziemlich weit entferntes Land fliege. Bin dann in die Notaufnahme. Und dann hieß es, ja, wir müssen ein MRT machen, um das endgültig abzuklären was das ist. Sie sollten natürlich nicht fliegen, aber sie müssen jetzt auch nicht hier im Krankenhaus bleiben. Ich bin dann natürlich trotzdem geflogen, weil ich mir gedacht habe, ja gut, es ist auf jeden Fall nichts Bedro … Also hieß am Anfang, ja, es ist nichts akut Bedrohliches. Das ist nichts am Herz oder sonst irgendwas. In der Notaufnahme hieß es dann auch, na ja, es könnte schon auch jetzt der Stress sein vor dem Flug. Man muss ja auch vieles organisieren und planen. Vielleicht kommt es davon und vergeht dann auch wieder, sobald man dann in dem Land angekommen ist. Außerdem, ich hatte den Flug bezahlt. Ich habe mich darauf gefreut. Und es musste halt einfach sein. Und ich wollte es unbedingt. Dann bin ich nach Australien geflogen. Und da ist es dann tatsächlich nicht besser geworden. Und dann bin ich da auch in ein Krankenhaus, auch in die Notaufnahme. Und da ich in Sydney war und ich … Das gibt da ein paar Krankenhäuser, aber ich bin zufällig in einem gelandet, die auf Neurologie spezialisiert sind. Ich bin dann recht schnell zu einem Arzt gekommen, der dann auch sofort ein MRT angeordnet hat. Und dann sehr schnell festgestellt hat, ja, da sind Entzündungsherde zu sehen. Er hat zu mir aber damals gesagt, man könnte sagen, dass es MS ist, aber jeder Mensch kann das einmalig in seinem Leben haben. Deshalb ist das keine Diagnose. Sprich, es kann einfach sein es war der Stress. Kann passieren. Ich habe dann Cortison bekommen. Kann weggehen. Und wenn es nicht wiederkommt, dann war es halt einfach so eine einmalige Sache. Ich soll aber trotzdem bitte jährlich zur Kontrolle gehen. Mit dem Cortison hat es dann auch ganz gut geklappt. Ich habe das damals in Tablettenform bekommen. Also nicht mal intravenös. Das war relativ stressfrei. Und das verging dann relativ schnell wieder. Das hat vielleicht so insgesamt zwei Monate maximal gedauert von dem ersten Symptom bis zu dem, dass es ganz weg war. Und dann war ich ein Jahr in Australien. War alles super. Dann bin ich wieder zurückgekommen. Das war dann Februar 2012. Habe dann irgendwann im Frühjahr, oder vielleicht sogar in dem Monat noch oder im März oder so, einen Kontroll-Termin gehabt. Da war auch alles super. Es hieß aber, ja gut, in dem Jahr soll ich schon nochmal kommen. Und dann bin ich im Jahr darauf im Mai 2013 wieder zum MRT gekommen. Und mir ging es ja super. Ich hatte überhaupt keine Symptome. Alles bestens. Ich habe mir gedacht, ja, machst das MRT halt noch. Schadet ja nicht. Und dann setze ich mich da rein in dieses Arztzimmer. Und dann sagt der mir: Tut mir leid, Frau … Ich darf meinen Namen nicht sagen. Ja, tut mir leid, ich muss ihnen leider mitteilen, sie haben MS. Sie haben lauter Entzündungsherde auf ihrem MRT. Und damit habe ich die Diagnose bekommen. So, einfach so hingeknallt. Also wie gesagt, es war halt einfach … Ich glaube es ist anders, wenn man Symptome hat und auf eine Diagnose wartet. Aber für mich war das einfach wie eine Zahnuntersuchung. Man macht so eine normale Zahnuntersuchung und dann sagt einem auf einmal jemand: Alle ihre Zähne sind kaputt. So war das für mich irgendwie."
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