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Einschränkungen und Anpassungen

Klara Hensche, 55 Jahre alt

MS-Diagnose seit 2011

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Klara Hensche hat eine barrierefreie Wohnung. Hier erzählt sie, wie sie dazu kam.

"Die Wohnungen sind viel zu knapp. Vor allen Dingen als Rollstuhlfahrer. Sie müssen erstmal einen Wohnberechtigungsschein für Rollstuhlfahrer sich besorgen. Das brauchen sie für die meisten Wohnungen beziehungsweise so wie ich, wenn sie vom Sozialamt abhängig sind, wollen die so was sonst nicht finanzieren. Als ich nämlich auf dem Sozialamt gefragt habe, wie es mit Umzug aussieht, wurde mir direkt gesagt, sie haben angemessenen Wohnraum. Ich hatte ja eine medizinische Bescheinigung, dass ich aus der Wohnung raus muss, weil sie ist nicht rollstuhlgerecht und es gibt keinen Fahrstuhl im Haus. Ich konnte ja nur aus dem Fenster gucken. Ich konnte noch nicht mal an den Briefkasten.

Ich habe dann einen Pflegedienst gehabt, also mit Autos, der dann kommt. Aber leider nicht immer zur selben Zeit. Und, ach, dann bin ich gefallen und habe da noch mal eine Stunde am Boden gelegen. Das ist halt so, wenn man so einen Pflegedienst hat mit den Autos. Das muss man ja auch wissen, wenn man denn alleine lebt. Das ist schwer. Das habe ich festgestellt, wirklich allein in einem Haus zu leben, da alleine zu sein, und es passiert oft was. Also für mich war das sehr wichtig. Das mit der Wohnung war erst mal absolute Priorität. Ich habe alles, was ich im Internet gefunden habe hier so in der Großstadt, wo es solche Wohnungen gibt, ich habe mich auf sämtliche Wartelisten setzen lassen.

Und dann irgendwann hatte sich das überall rumgesprochen, dass ich auf der Jagd nach so einer Wohnung bin, und da hat mir eine Sozialarbeiterin einen Flyer gegeben und hat gesagt, da ist was frei. Dieses Haus war gerade gebaut und es war noch nicht komplett bezogen. Also habe ich da angerufen. Ja, wir haben noch frei. Und habe dann die Wohnung besichtigt, mir alles angeguckt und habe gesagt, ja, die beantrage ich. Habe die dann beim Sozialamt beantragt. Die ist auch genehmigt worden. Und in so einem Fall, wenn sie eine Bescheinigung haben, Umzug aus medizinischer Notwendigkeit, den hat die Pflegekasse bezahlt. Die ist dann für so was zuständig. Der musste dann da beantragt werden. Und dann haben die den kompletten Umzug bezahlt. Ich hatte ja noch keine Pflegestufe. Die war ja auch erst gerade beantragt. Aber in so einem Fall, haben die gesagt, sind die zuständig. Das Sozialamt hätte nämlich einen Umzug nicht bezahlt. Weil ich hatte ja angemessenen Wohnraum laut Gesetz, die Quadratmeter, die mir zustehen. Ich habe selber gesucht. Ich kann es nur jedem empfehlen, dass man nicht irgendwann, weil es einfach nicht mehr geht, irgendwo angewiesen wird. Denn wenn man in so einem Heim irgendwo erstmal ist, kommt man meistens nur mit einem Anwalt wieder da raus. Und dann hat man ein komplett fremdbestimmtes Leben. Ich möchte gern selbstbestimmten. Ich habe zum Beispiel sechs Wochen nach der Diagnose meine Patientenverfügung gemacht. Und habe da ganz genau alles rein geschrieben, was sein darf, was nicht. Und ich habe auch für mein Ende alles rein geschrieben. Genau für die Ärzte und so. Ich habe das dann auch von einem Arzt mal drüber gucken lassen, ob das so okay ist. Weil ich auch ganz genau geschrieben habe, was ich möchte und was nicht. Und das bleibt dabei.

Ich habe auch selbst meine Betreuerin beantragt, weil ich mit dem ganzen Papierkram überfordert war. Ich habe das einfach nicht mehr geschafft. Das haben ja viele.

Die Betreuerin ist von keinem Amt. Das ist eine Berufsbetreuerin, die hat mit ihrem Mann zusammen ein Betreuungsbüro. Die hat bei uns im Haus auch noch mehr Klienten. Die macht nichts anderes als Betreuung. Und so was wollte ich auch. Ich wollte keinen Rechtsanwalt, der das so nebenbei macht, um ein bisschen was zu verdienen. Weil die sich nicht voll auf die Materie konzentrieren. Also kann ich nur jedem raten, einen Berufsbetreuer zu wählen.

Und damals war das Betreuungsgericht auf so was gar nicht eingestellt, dass da einer selbst einen Antrag ausfüllt. Ich habe dann einfach alles durchgestrichen, was die da wollten, und habe ganz groß rauf geschrieben, für mich. Ich beantrage die Betreuung für mich. Dann ist da auch so ein Feld, ob man denn vor Gericht erscheinen kann. Und wenn man im Rollstuhl sitzt, habe ich dann geschrieben, mit Transport und so. Und dann ist die Richterin mit einer Sekretärin nach Hause gekommen. Die haben alle bei mir am Esstisch gesessen.

Und da wurde das dann auch entschieden. Und seitdem habe ich eine Betreuerin. Und Betreuerin bedeutet ja nicht, dass man selber nichts mehr zu sagen hat. Die Betreuerin hat nur die Bereiche Kranken- und Pflegekasse und Vertretung vor Ämtern und Behörden. Alles andere mache ich selbst. Aber damit ist mir ein Großteil von dem Papierkrieg und das alles abgenommen worden. Weil mir ein Neurologe auch erklärt hat, bei MS muss man diesen emotionalen Stress vermeiden, sich mit Menschen zanken, mit Behörden zanken. Das ist schon praktisch so, man hat einen Kloß im Hals, wenn man diesen Brief schon sieht von diesen Ämtern. Und es stapelte sich bei mir.

In der Zeit ging es mir überhaupt nicht gut. Also das hat sich alles komplett gegeben. Das macht alles meine Betreuerin. Und wenn ich sonst Fragen habe, ich kann sie fragen, ich kann meine Anwältin fragen. Ich habe mir auch damals direkt eine Anwältin gesucht, die auch Hausbesuche macht und für Sozialrecht ist. Ich habe inzwischen fünf Prozesse gewonnen. Und seitdem ist die Krankenkasse sehr vorsichtig geworden. Weil das ist leider als Pflegefall so, in punkto Hilfsmittel oder was auch immer, es wird ALLES abgelehnt. Und das hat Methode. Ich habe mal mit einer so nebenbei gesprochen. Die haben dann so Stapel, und wenn dann von so einem Stapel von zehn Leuten vielleicht fünf oder sechs Widerspruch einlegen und ein oder zwei klagen, dann haben die ihren Schnitt gemacht. Aber nicht mit mir. Wenn mir das gesetzlich zusteht. Ich habe mir dieses Leben ja nicht ausgesucht. Ich habe ja nicht irgendwo gestanden, ach, ich möchte das gerne haben, oh, bitte den Rollstuhl, ich habe so Angst, dass meine Schuhsolen nass werden. Nee. Und dann stehen mir gesetzlich gewisse Dinge zu, und ich brauche sie ja auch. Dann habe ich eben geklagt."

Thema: Einschränkungen und Anpassungen

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