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Einschränkungen und Anpassungen

Klara Hensche, 55 Jahre alt

MS-Diagnose seit 2011

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Klara gibt Tipps, wie man mit Stuhlinkontinenz im Alltag gut klarkommen kann und so aktiv am sozialen Leben teilhaben kann.

"Also erstens mal habe ich eine Menge sozial interagiert mit meinem ganzen Umfeld, dass ich ja in so einem Haus wohne. Wir sind in diesem Haus 120 Mieter. Im Erdgeschoss ist der Pflegedienst. Wir können uns auch auf den Fluren schon mal treffen oder wie auch immer. Man kann sich verabreden. Man kann sich in den Wohnungen besuchen. Meine Pflegerinnen und Pfleger, weil ich ein festes Pflege-Team habe, ist auch Leben. Durch die DMSG, die Selbsthilfegruppe. Also ist nicht so, dass ich da irgendwo ein Manko habe oder so. Nee. Ich sitze ja heute auch hier. Ist auch soziales Interagieren. Der ist komplett weggebrochen. Da ist jetzt inzwischen nichts mehr von übrig. Aber dass mich mal jemand zum Beispiel am Anfang, abgeholt, mit dem Rollstuhl und hat dann gemerkt, oh Gott, ich muss ja gucken, kommt die überall hin. Kann die auf die Toilette. Und wieder nach Hause bringen. Das wird dann nur einmal gemacht und dann nicht mehr.
Bestimmte Leute rufen einen dann an. Und, ja, und das ist ja so furchtbar, und dass ausgerechnet DU diese Krankheit gekriegt hast. Diese Mitleidstour. Ich sage immer, da kann ich überhaupt nichts mit anfangen. Ich brauche kein Mitleid, nur ab und zu mal Verständnis. Und dann so nach und nach über die Jahre schläft vieles ein. Und ich habe auch bewusst bestimmte Dinge einschlafen lassen, weil ich es nicht mehr wollte. Weil ich gemerkt habe, diese Menschen tun mir nicht mehr gut. Es ist einfach so. Man muss das ja dann auch erkennen. Ich meine, ist klar, Familie und das alles, das bleibt. Ja. Da gibt es auch gar keine Probleme mit. Zum Glück.
Aber ansonsten hat sich das komplett verändert. Das ist bei sehr vielen MS-lern so. Das bricht dann alles weg und sie wissen nicht, wie sie neu was aufbauen können. Sie sitzen im Rollstuhl und sind ein Pflegefall und da kann ich doch nicht mehr dies, und da kann ich doch nicht mehr jenes. Es geht schon. Man muss nur wissen, wie man es am besten macht. Da muss man mit denen dann reden, sie wieder von Zuhause rausholen. Man muss manchmal die Leute wirklich verbal in den Hintern treten, damit die endlich mal aus ihrer Bude rauskommen. Die können nämlich noch eine Menge. Es gibt Menschen, die sind wesentlich besser drauf wie ich. Die sitzen dann da, ich kann ja nichts mehr machen. Wenn ich das höre, kriege ich den Föhn. Ich sage, wie wäre es denn mal mit versuchen. Man immer was machen. Man muss raus. Auch im Rollstuhl. Aber das ist ja auch mein großes Thema. Ich mache Beratungen ja auch deswegen. Das große Problem für viele: Inkontinenz. Das wird ja überall in der Werbung heute, och, das ist ja kein Problem, Blaseninkontinenz. Stuhlinkontinenz gibt es für diese ja nicht. Gibt es für die meisten Menschen nicht, da schalten sie sofort ab. Und die denken nur an Windeln. Ich sage immer zu den Leuten, wenn ich Windeln tragen würde, ich bin stuhlinkontinent, wenn ich Windeln tragen würde, dann sitzt du in einem anderen Raum. Und im Umkreis von fünf Meter um mich fallen alle Insekten tot von der Wand. Ja, ist ja ein Geruchsproblem. Es gibt da so viele Möglichkeiten. Wenn ich das denen dann erkläre, oh, das gibt es. Und das und das. Du musst den Mut aufbringen, mit deinem Arzt zu sprechen, weil diese Dinge werden verordnet. Weil es gibt Contra-Indikationen. Es gibt verschiedene Größen. Nehmen wir jetzt als Beispiel die Anal-Tampons. Das muss ein Arzt erstmal genau untersuchen und dann sagen, das ist bei ihnen möglich. Sie brauchen die und die Größe. Dann bekommt man auch so eine, ich weiß jetzt nicht genau wie die heißt, egal, von dem Sanitätshaus meistens, die das, auch wenn einem das peinlich ist am Anfang, die das dann genau einem erklärt, wie das funktioniert. Und sagt, jetzt probieren sie es mal aus und ich bleibe noch hier. Wie kommen sie damit zurecht. Und alles. Weil, man muss es ja auch korrekt anwenden, die Sache. Also man muss den Mut aufbringen, mit jemandem zu sprechen. Sonst ändert sich nichts. Sich zu Hause zu verbarrikadieren, ich kann ja nicht, weil, es geht ja nicht, weil, ist kein Weg. Ich bin immer unterwegs. Und bei mir rennt auch keiner weg. Es gibt für alles eine Lösung. Muss man nur finden. Durchfragen. Man muss mit dem Arzt sprechen. Und wenn der Arzt mit einem darüber nicht sprechen will oder dafür kein Ohr hat, braucht man einen anderen. Das ist so. Man hat immer die Möglichkeit, eine zweite Meinung einzuholen, heißt das ja, und mit einem anderen Arzt zu sprechen. Oder man fragt andere MS-Patienten, was hast du in diesem Fall gemacht. Hat sich dann bei uns rumgesprochen, wie das funktioniert mit Neurourologe, der ja für so was zuständig ist. Und das dann alles begutachtet und einteilt, das ist für den gut, das ist für den gut. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, können sich die Leute gar nicht vorstellen. Und du kannst ein ganz normales Leben wieder führen, brauchst keine Angst zu haben, dass es müffelt, dass du plötzlich Flecken hast und alles. Es gibt für alles eine Lösung."

Thema: Einschränkungen und Anpassungen

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