Erzählen von der MS Erkrankung
Stephanie Krohn, 47 Jahre alt
MS-Diagnose seit 2007
Stephanie Krohn hat lange gebraucht, um anderen Müttern im Kindergarten und Schule von ihrer Erkrankung zu erzählen.
"Also bei den Diagnosestellungen, meine Mutter war ja dabei. Also dem engsten Umfeld, die wussten das ja dann. Und damals ging es mir so schlecht, dass eigentlich die… das engste Umfeld dann wusste, dass ich MS habe. Ich habe dann eine Zeit gebraucht, um den anderen… also um zum Beispiel anderen Müttern zu erzählen, dass ich MS habe. Das hat eine Zeit gedauert. Aber am Anfang ging es mir so schlecht, dass ich gar keinen Kontakt hatte, also ich hatte eineinhalb Jahre Haushaltshilfen, konnte meine Kinder nicht alleine in den Kindergarten bringen, konnte nicht Autofahren, das musste ich alles wieder… weil meine Beine, es war ja alles taub bis hier oben hin, also ich war komplett taub und eine ziemliche [unklar ] in den Beinen. Das hat einfach gedauert. Aber es hat dann gedauert, dass ich den Eltern oder den anderen… dann habe ich den Müttern der Freunde meiner Kinder dann irgendwann erzählt, ich habe MS, ich kann nicht so viel mitmachen, weil man ja immer wieder gefragt wird, kannst du den Wandertag begleiten, kannst du das mitmachen, das mitmachen und dann kommt natürlich die Frage: Was arbeitest du? Also das hat eine Zeit gedauert, bis ich dann in der Lage war, zu sagen: Nein, ich kann im Moment nicht arbeiten, ich bin an MS erkrankt. Also das hat schon eine Weile gedauert. Jetzt gehe ich damit offen um, aber am Anfang habe ich für mich wirklich eine Zeit gebraucht, um das auch zu verarbeiten und zu sagen und dazu zu stehen, zu sagen: Ich kann nicht arbeiten, ich habe multiple Sklerose, ich kann den Wandertag nicht begleiten, weil ich eben nicht so lange laufen kann. Und solche Sachen, das hat einfach eine Zeit gedauert.
Also ich wollte nicht am Anfang, dass es zum Beispiel die ganze Klasse der Kinder weiß, dass ich an MS erkrankt bin, also darüber habe ich mir am Anfang schon Gedanken gemacht. Jetzt mache ich mir keine Gedanken mehr darüber, also jetzt habe ich das so weit für mich verarbeitet und nein, das ist einfach so. Und ich gehe auch heute sehr offen damit um. Also wenn jemand fragt, warum arbeitest du nicht? Dann sage ich: Nein, ich habe multiple Sklerose. Also da habe ich heute kein Problem mehr. Es hatten eher meine Tochter am Anfang Probleme damit, das ihren Freundinnen zu erzählen oder zu sagen: Heute geht es nicht bei uns zuhause oder meine Mutter kann heute nicht auf das Fest kommen, weil es ihr nicht gut geht oder so. Die wollte das eher verheimlichen. Aber seit sie selber damit offen umgeht und seit die Freunde das auch wissen, ist das Thema ganz vom Tisch. Das ist einfach so. Aber jeder in der Familie hat eine Zeit gebraucht, um damit umzugehen. Einzig mein Sohn, der ist damit aufgewachsen. Der ist 2005 geboren, die Diagnose kam Anfang 2007, der ist damit aufgewachsen, ja."
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