Erzählen von der MS Erkrankung
Isabel Mai, 23 Jahre alt
MS-Diagnose seit 2016
Isabel Mai hat beim Bewerbungsgespräch die Erkrankung offen angesprochen.
"Also meine Familie, ja, die waren von Anfang an dabei. Also ich glaube, da musste man das gar nicht so richtig erzählen, weil das ja immer … Also die haben alles mitgekriegt, wie es tatsächlich war und wie weit ich es auch wusste. Und bei Fremden, nicht unbedingt Fremde aber Freunde, die ein bisschen weiter entfernt sind von mir, da ist das tatsächlich mal ein bisschen merkwürdig, weil ich habe da halt gar kein Problem mit das zu erzählen. Und ich nehme das halt auch alles irgendwie ein bisschen mit Humor. Und deswegen sind halt viele Leute relativ schnell überfahren von mir. Und wissen nicht so richtig, wie sie darauf reagieren sollen.
Ja, also, ich habe es, glaube ich, noch nie in einem ernsten Kontext gesagt, so dass alle danach traurig waren. Und versuche das halt ein bisschen lockerer rüber zu bringen. Und sage dann aber auch immer, dass die mir nichts entgegenbringen müssen. Also weder Mitleid noch Trauer, Freude, sowieso nicht. Also dass ich keine Reaktion erwarte und wir gerne auch einfach zum nächsten Thema übergehen können, wenn sie da nicht drüber reden möchten. Oder eben auch gerne alle Fragen stellen können, wenn sie möchten.
Meinem darauffolgenden Arbeitgeber habe ich es auch gar nicht erst erzählt. Mein jetziger Arbeitgeber weiß das aber tatsächlich. Das ist aber auch mehr den Umständen geschuldet, dass das, wo ich arbeite, viel auch mit Neurologie zu tun hat und Reha.
Ich fand das aber auch ein bisschen merkwürdig im Bewerbungsgespräch, das direkt zu sagen, weil man sich natürlich fragt, hat das negative Auswirkungen, wenn ich das irgendwie offenlege. Oder ist derjenige offen dafür und versteht, dass ich nicht todkrank bin. Also, ich meine, es ist keine schöne Krankheit, aber ich bin noch recht jung, und es geht mir doch tatsächlich recht gut mit der Therapie und da halt eben einfach nicht so viele Einschränkungen habe. Das war definitiv was, wo ich im Gespräch selbst ein bisschen ins Stocken kam, weil ich vorher … Also ich wollte es sagen. Ich hatte das Bedürfnis es zu sagen. Aber ich war mir nicht sicher, ob ich es kann. Und habe es dann aber einfach gemacht. Und muss sagen, es war definitiv keine schlechte Entscheidung, das zu tun. Bei meinen Arbeitskollegen ist das ähnlich. Das wissen nicht alle, weil ich jetzt eben nicht einfach ins Büro gehe und einmal schreie, Hallo, ich habe MS, sondern es einfach im Gespräch passieren muss. Und wenn sich das irgendwie ergibt, dann erzähle ich das. Wenn nicht, dann nicht.
Und ansonsten, ich habe tatsächlich noch gar keine negativen Erfahrungen damit gemacht, dass irgendjemand sehr komisch damit umgegangen ist, sondern ich fand bis jetzt alle Reaktionen immer angemessen. Also ich kann ja verstehen, dass jemand, dem ich das erzähle, der nicht weiß, wie er darauf reagieren soll. Aber es waren nie abweisende Kommentare oder irgendwas. Also bis jetzt immer sehr entspannt."
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