Erzählen von der MS Erkrankung
Erika Geiger, 21 Jahre alt
MS-Diagnose seit 2017
Frau Geiger hat die Diagnose mit 18 Jahren bekommen. Sie geht im engeren Umfeld damit offen um.
"Also, mein Vater wusste es ja direkt, weil er dabei war. Meiner Mutter habe ich das erzählt. Meine damalige Freundin, die wusste es natürlich auch direkt. Und ich denke, das hat sich auch innerhalb der Familie so weitergetragen, weil natürlich, mein Vater hat es seinen Eltern erzählt und so weiter. Es war für mich nie ein Ding, dass ich gesagt habe, nein, ich möchte das nicht erzählen, das ist mir irgendwie peinlich oder unangenehm. Also wenn mich jemand gefragt hat, habe ich gesagt: „Ja, ist so.“ Was soll ich machen? Habe ich mir nicht ausgesucht, jetzt lebe ich damit.
Das war auch noch das Gemeine, gerade 18 geworden, ich dachte, mein Leben startet jetzt voll durch und dann erst mal das. Da war ich ziemlich genervt.
Ich ging da ja auch noch zur Schule. Meine beste Freundin damals, der habe ich es dann erzählt, so in der Klasse eigentlich nicht. Auch meinem Klassenlehrer habe ich es damals erzählt oder meinem Klassenleitungsteam, aber sonst hat das halt auch niemanden, also musste ich ja nicht mit herumposaunen: „Hier, übrigens, ich habe jetzt MS.“ Also, nein, wer es wissen wollte, also wer gefragt hat, dem habe ich es erzählt, aber sonst musste ich damit nicht unbedingt herumposaunen gehen.
Also ehrlich gesagt, habe ich mir darüber noch gar keine Gedanken gemacht, dass irgendwann mal jemand kommen sollte: „Äh, du hast MS, geh weg.“ Also ich kann mir in erster Linie nicht vorstellen, dass es solche Menschen gibt. Und in zweiter Linie, was wären denn das für Menschen? Also mit solchen Menschen möchte ich dann auch gar nichts zu tun haben, die sagen: „Du hast MS, ich möchte nichts mit dir zu tun haben.“ Also mit solchen Leuten möchte ich nichts zu tun haben. Drehe ich die Karte einfach um dann Tschüss und dann ist gut.
Wenn man das beispielsweise im Einstellungsgespräch direkt sagt: „Hier, ich habe MS, folgende Sache.“ Kann ich mir gut vorstellen, dass der Chef sich dann eventuell auch denkt, okay, bin ich mal vorsichtig. Aber man sollte immer auf die Leistung der Person gucken und nicht auf das, was die mit sich bringt. Weil jede Person schleppt irgendetwas mit sich rum. Bei einigen sieht man es, und bei anderen sieht man es nicht. Und es heißt nicht unbedingt, nur weil man es sieht, dass es schlimmer als das ist, was man nicht sieht. Also man sollte immer auf die Leistung gucken und nicht auf das, was man mitbringt so."
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