Erzählen von der MS Erkrankung
Herta Brunner, 55 Jahre alt
MS-Diagnose seit 2007
Frau Brunner hatte Sorge, es auf der Arbeit zu erzählen. Im Nachhinein war das unnötiger Stress gewesen.
"Ja, ich habe es meinem damaligen Mann sofort erzählt und vielleicht zwei guten Freundinnen habe ich es noch erzählt. Familie natürlich auch. Aber ich gestehe, dass ich da ziemlich lange gewartet habe.
Ja, bei meinem Arbeitsfeld. Da habe ich es nicht erzählt, ja. Da habe ich ganz ganz lange versucht es irgendwie zu vermeiden und nach hinten zu schieben. Und ich denke mal die Auseinandersetzung mit der Krankheit, die hat lange gedauert bis ich sie angenommen habe. Ich weiß noch gar nicht ob es wirklich schon so ist. Also das heißt ich habe es eigentlich lange unterdrückt, nicht erzählt. Werden ja auch oft Sachen überlegt und als Therapeut weiß man ja, wenn man humpelt, kann man auch einen Fersensporn haben und kann man einen akuten Ischias haben. Da kann man sich alles Mögliche ausdenken, was man so für kleine Sachen hat, warum man nicht gut gehen kann, ja. In dem Fall lief das eine ganze Zeit lang ganz schön gut.
Bis ich dann… Ich habe ja in einem Fitnessstudio noch dazu gearbeitet. Also was natürlich noch mal oben drauf war, wo ich das erst recht nicht zeigen wollte. Und ich hatte dann auch immer ein bisschen Angst, dass ich das vielleicht verliere. Dass man sagt „Okay, also eine, die da jetzt humpelt und so, die können wir jetzt nicht im Fitnessstudio gebrauchen. Als Trainerin noch dazu.“ Und dann denken Patienten dann vielleicht auch „Kann man der das zumuten, dass sie so arbeitet in dem Sinne, wenn sie selber ein Problem hat?“ Deswegen habe ich es eigentlich immer versucht es zu vermeiden, dass ich da nicht so ein großes Thema daraus mache. Ja, bis es dann eigentlich, kann man sagen, spannenderweise kam als ich es dem Besitzer des Studios, also meinem Chef sozusagen gesagt habe und der es längst wusste. Ja, also das hatte sich dann schon irgendwie rumgesprochen, weil da hatte ich es dann schon mehreren auch erzählt und so und davor. Der ist eigentlich derjenige gewesen, der mir sogar jetzt noch angeboten hätte mit dem Rollstuhl zu behandeln und dort zu sein, ja. Also davor hatte ich eigentlich am meisten Sorge. Das hätte ich mir sparen können. Hätte ich mir viel Stress mit sparen können. Also würde ich jetzt auch wiederum eher anraten es lieber gleich zu sagen als dieses Meiden und nach hinten wegstecken. Das ist mit Sicherheit für die Krankheit und für den Verlauf nicht gut, weil das viel Stress ist und der Stress ist mit Sicherheit schädlich."
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