Erzählen von der MS Erkrankung
Stefan Neukirch, 54 Jahre alt
MS-Diagnose seit 1993
Herr Neukirch wollte mit seiner Diagnose niemanden belasten und kein Mitleid entgegengebracht bekommen.
"Außer meiner Frau und mir wusste das niemand. Und natürlich der Neurologe. Klar. Aber außer meiner Ehefrau und mir und dem Neurologen wusste es niemand. Weil ich wollte einfach meine Eltern oder andere nicht damit belasten.
Ich wollte es lieber nicht erzählen meinen Eltern, meiner Mutter hauptsächlich, weil die ohnehin schon, ja, gewisse Probleme hatte oder sich einfach auch Sorgen macht oder beziehungsweise in der Vergangenheit eben sehr viele Sorgen eben auch hatte mit der Schwester von mir. Die Schwester von mir hatte Magersucht. Das heißt, viele Jahre gab es da sehr viel Auf und Ab, mehr Ab als Auf, ja, in Kliniken, in Klinikaufenthalten und so weiter. Meine Mutter war da einfach nicht sehr belastbar in diesen … Oder schon in den Jahren zuvor. Und darum wollte ich ihr da einfach Sorgen ersparen und habe es nicht aus dem Grund auch sonst niemandem erzählt. Auch in der Firma habe ich das nicht bekannt gegeben, weil ich einfach kein Mitleid wollte. Ja. Also ich hatte die Diagnose, das Mitleid brauche ich nicht. Zumindest zum damaligen Zeitpunkt brauchte ich das nicht. Und erst als es dann unübersehbar war, also erst 1998, da habe ich das auch meiner Familie, meinen Eltern eben, gesagt, dass ich die Diagnose habe. Gut, das war es eigentlich schon kaum noch übersehbar, weil ich einfach nicht mehr gut gehen konnte. Ein Bein immer wieder am Boden quasi nachgezogen. Das war immer als Ausrede, ich sage, okay, ich habe Rückenschmerzen, ich habe mit den Bandscheiben Probleme und kann aus dem Grund nicht mehr richtig gehen. Aber das war eigentlich nur eine Notlüge. Und erst 1998 habe ich es dann den Eltern und dann auch in der Firma den Kollegen und den Personalverantwortlichen eben mitgeteilt."
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