Zum Inhalt springen

Rehabilitationsaufenthalt und seine Auswirkungen

Marina Neuser, 53 Jahre alt

MS-Diagnose seit 1999

Wird erst auf Klick geladen. Dabei stellt Ihr Browser eine Verbindung zu Vimeo her.

Eine ambulante Rehabilitation war für Frau Neuser eine gute Alternative.

"Es ist irgendwie, wenn man so jung ist und das wirklich überdurchschnittlich gut konnte und sein Berufsleben und sein Selbstverständnis damit eng verknüpft ist, dann ist das ganz schön schwierig, zu akzeptieren, dass es so nicht mehr funktioniert und es hat eben Auswirkungen auf alles. Und deshalb die Neuropsychologie, die hat mir eben schon geholfen, indem ich ermutigt wurde, gewisse Sachen, Zusammenhänge zu verstehen und auch das zu objektivieren. Wo liegt das Problem? Bei mir eben extrem die gleichzeitige Aufmerksamkeit.

Und wenn ich eben in Bezug auf Therapie, da ist meine Erfahrung eben nicht ganz so doll, weil wie lange dauert es in der Reha? Höchstens drei Wochen normalerweise. Also insofern, ich habe von meiner Krankenkasse nach der ersten oder zweiten Reha, also noch in den Nullerjahren, auch so eine CD bekommen, dass ich dann am Computer da entsprechend ein bisschen etwas spielen kann. Aber das, was ich eben besonders wichtig fand, das war die Information, ich muss nicht Sudoku machen, wenn ich darauf keinen Bock habe. Man sagt immer bei der Krankengymnastik: „Use it or lose it.“ Finde ich einen schönen Spruch. Also ich muss die entsprechenden Muskeln immer wieder versuchen anzusprechen und auch schon alleine die Nervenansteuerung, dass die Bewegung geht, dass die Sachen ein bisschen aufgedehnt werden. Ähnlich beim Denken, aber ich muss nicht Kreuzworträtsel machen, wenn es mir darum geht, im Gespräch und so… Wenn ich im Gespräch bin, dann ist sprechen gut. Also das, was ich will. Dann musste ich natürlich auch an meiner Frustrationstoleranz arbeiten, also Krankheitsverarbeitung. Das ist dann nicht mehr Neuropsychologe, sondern Psychologe und Psychotherapeut.

Ja. Was habe ich da gemacht? Das ist lange her. Ich bin ja seit sechzehn Jahren in Rente. Und ich habe da vor allen Dingen die spezielle Situation, ich habe es als sehr fremdbestimmt erlebt. Das war also im Prinzip, ich habe jeden Abend über eine Stunde mit meinem Mann telefoniert und ich habe wie eine wahnsinnige geheult und das war also vor allen Dingen in Bezug auf Krankheitsverarbeitung und neue Lebenssituation eine wirklich einschneidende Sache. Ich habe, auch wenn ich in einer Selbsthilfegruppe bin, ist es für mich immer spannend und wichtig, einfach zu hören und mitzuerleben, wie es anderen so geht. Leute mit kleinen Kindern oder Leute mit einem bestimmten Hobby, jeder Mensch sucht andere Menschen, die das Thema auch haben. Finde ich eigentlich ganz naheliegend. Und dann habe ich eben einiges auch an Vorträgen. Das mache ich auch zwischen solchen Sachen. Informationen, weiterkommen, mehr wissen, was man eben wissen kann oder auch klar zu sehen, wo es noch unbekannt ist, wo man noch nicht weiß, was nun hilft und wie es weitergeht. Ich habe da Ergotherapie kennengelernt. Das habe ich eigentlich immer nur im Rahmen von Reha. Da muss ich sagen, ich möchte die Herren und Damen nicht schlecht behandeln, aber da muss ich immer so ein bisschen denken, ja, früher nannte man das Arbeitsmaßnahme, Arbeitsbeschäftigung, irgendwelche Körbe flechten und so. Aber auch da habe ich tolle Sachen erlebt.

Ich habe von der ersten Reha, die so ein bisschen mit dieser speziellen Lebenssituation in meiner Erinnerung verbandelt ist, ich habe danach ambulante Rehas gemacht, drei ambulante Rehas. Ich habe auch einen Krankenhausaufenthalt gehabt, der war so ähnlich. Das war rechtlich keine Reha, aber faktisch war das so ähnlich. Da habe ich dann auch Feldenkrais mal kennengelernt und so verschiedene Sachen also im Bereich von Physiotherapie, Nordic Walking kennengelernt, ne? Aber drei ambulante Rehas, die ich eben auch hauptsächlich gemacht habe, um diese neuropsychologische Behandlung, die ambulant in den Jahren nicht erstattet wurde, zu machen. Da gab es eine Rechtsänderung, kann man jetzt ambulant wieder machen heutzutage.

Was meine Hauptbaustelle ist, da komme ich darauf zurück, die kognitiven Probleme. Da wurde mir dann aber auch irgendwann gesagt, ja, wenn man das also mehr als – was war das – vier oder fünf Jahre hat, dann ist da sowieso nichts mehr zu machen. Und ich meine, das steht auch in den Behandlungsmaßstäben, dass es von der Krankenkasse nur erstattet werden muss, wenn das auslösende Ereignis noch nicht so lange zurückliegt. Wobei das Interessante ist, bei MS kann man ja auch sagen, das ist erst mit dem Schub gekommen. Und das ist ja nicht nur etwas, was man dann sagt, das stimmt ja vielleicht auch in manchen Fällen und insofern. Aber bei mir war das einfach, ich denke, schon vor der Diagnose, dass eigentlich der Schwindel und solche Sachen das… Aber gut, wer weiß. Jedenfalls, Reha war das Thema.

Im Rahmen der Reha habe ich die Fremdbestimmung immer als extrem quälend und belastend erlebt und deshalb war eine ambulante Reha für mich eine ganz tolle Option. Es ist immer noch sehr schmerzhaft, wenn man sagt: „Ah, ich habe so einen tollen Plan morgen“, und dann kommt man an, da ist einer krank geworden, deshalb muss der da Vertretung machen und die Therapie ist gestrichen und das ist umgestellt und so. Aber grundsätzlich konnte ich jetzt zum Beispiel gerade bei der ambulanten Reha sagen: „Bitte, bitte, bitte planen Sie für mich lange Pausen ein.“ Andere sagen: „Ah, nun habe ich wieder eine halbe Stunde zu warten und dann kann ich erst.“ Und ich sage: „Macht lange Pausen, lasst mich morgens früh anfangen und nachmittags bei den Letzten sein, damit ich dazwischen immer Pausen habe, um mich zu erholen.“ Ich bin erschöpft körperlich und geistig. Wenn ich meine Pausen habe, ich weiß, hier sind Ruheräume, das kann ich ausnutzen. Ich kann auch etwas lesen. Ich kann mit den anderen schnacken. Und legt nicht diese medizinische Trainingstherapie wie am… Krankengymnastik am Gerät heißt ja ambulant anders als stationär. Das ist ja dasselbe, also Krankengymnastik an Geräten. Legt die bitte nicht hinter den Termin, davon bin ich doch schon geschafft. Das könnt ihr nicht. Bitte. Und wenn das organisatorisch einigermaßen funktioniert und das eben möglich ist, dass man den Weg hin und her zurücklegt, dann ist eine ambulante Reha für mich eine ganz tolle Möglichkeit. Und das besonders Tolle, wenn man dann dummerweise schon in Rente ist, es war bei den letzten Rehas so, dass ich eben drei Tage die Woche Reha gemacht habe. Ich hatte zwischendurch Erholung, also nicht nur das Wochenende zur Erholung, sondern auch in der Reha selbst, wobei man dann natürlich wiederum in der Gemeinschaft der anderen Patienten nicht so drin ist. Die haben ihre drei Wochen und dann sind sie wieder weg. Das ist Licht und Schatten. Das hat alles seine Vor- und Nachteile, aber um die Sachen ausnutzen zu können.

Das ist im Rahmen einer Reha, da hat man sozusagen seine Termine und seine Orte und kriegt auch etwas zu essen mittags und das hat schon etwas für sich. und man lernt eben noch mal Leute kennen, führt nette Gespräche oder auch nicht, je nachdem. Ja, Vorträge im Rahmen der Reha finde ich gut, aber auch ambulant bin ich immer mal wieder ein Vortragsfreund, um einfach Informationen zu kriegen. Und bei Vorträgen habe ich auch typischerweise die Möglichkeit, Fragen zu stellen, oder das ganze Publikum hat die Möglichkeit, mal eine Nachfrage zu stellen und das finde ich hilfreich – neben dem Internet."

Thema: Rehabilitationsaufenthalt und seine Auswirkungen

Weitere Berichte zu diesem Thema