Rehabilitationsaufenthalt und seine Auswirkungen
Heinrich Forst, 50 Jahre alt
MS-Diagnose seit 1996
Herr Forst mag die Rehabilitation in einer stationären Einrichtung mehr als in einer Tagesklinik. Hier erzählt er von den Vorteilen einer stationären Rehabilitation.
"Ich persönlich mag stationär, ich habe das Glück jeweils in einer Klinik zu sein, die einfach toll war. Man fühlt sich da wie in einer Käseglocke, man geht dort hin, ich persönlich fühle mich dort, fühlte mich dort behütet, die Leute waren dort toll, ich habe, bin nicht der Typ, der sich gleich so vor einem Psychotherapeuten da so öffnet, ich habe alles mit Begeisterung mitgemacht auch wenn ich bei Kurztherapie zum Beispiel Ladehemmung hatte, das ist aber wahrscheinlich ein echter Charakterzug, ich kann, ich mag nicht gerne malen, ich aber, das war sowas, ich fand das eine schöne Herausforderung. Ich bin selbst hingegangen, obwohl ich mich die ersten ein, zwei Wochen dort furchtbar fühlte. Ich saß vor einem leeren Blatt, habe gesagt, wie fange ich bloß an, aber viele Maßnahmen waren dann ganz gut, aber das Gesamtpaket war gut, dass die Gespräche, dieses, dass man so betüttelt wird, dass man auch wirklich mal komplett aus der Außenwelt raus ist. Tagelang, ich war auch mal in einer Tagesklinik und das ist finde ich ja, also für mich, ich mag das auch, aber es ist, finde ich, so in Masse, so ein bisschen Selbstbetrug, weil das ist, man geht wieder nach Hause und dann, mir geht es so, und dann geht das alte System wieder los, ich finde diesen stationär, ist man viel mehr bei sich, man kann viel mehr reflektieren, ich habe für mich erlebt, ich bin nach Hause gegangen und dann war ich wieder in meinem alten System. Also das war wie sechs Stunden betreutes Wohnen, da komme ich nach Hause und dann die Anrufe sind die gleichen, die Arbeit sind die gleichen, die Freunde sind die gleichen, der Stress ist der gleiche, die Freizeit ist das gleiche, das ist irgendwie, ich finde so ein bisschen, wer sagt, ich habe keine Zeit, ich halte das für Selbstbetrug, also wenn man sich die Zeit nicht gönnt, dann bescheißt man sich selbst. Also.
Therapeutisches Malen, dann hatten wir, dann gab es auch als Musikkurs Trommeln, und das fand ich sehr erstaunlich, erst fühlte ich mich so ein bisschen wie in den Kindergarten zurückversetzt, aber dieses Trommeln hat nachher sehr viel gelöst, dann gab es auch so was wie Heilsames Singen, das war aber ein freies Angebot. Da habe ich mich die ersten ein, zweimal auch in Grund und Boden geschämt, wenn ich da hätte Singen sollen und nachher, als ich das erste Mal voll mit Begeisterung mit gesungen habe, habe ich vor Freude danach geweint, weil ich habe gedacht, ich fühlte mich so gelöst, wo ich gedacht habe, Alter Falter, das ist, und dann bin ich da gerne hingegangen, weil es befreite einen, die ersten ein, zweimal habe ich gedacht, die singen alle so schön und die gehen alle voll drin auf und ich habe immer gedacht, ich summe mal mehr mit und ein paar Zeilen habe ich dann auch mal rausgekriegt, aber da gedachte ich, ich fühle mich hier irgendwie nicht drin. Dann dachte ich, du stellst dich jetzt, du läufst hier nicht weg und dann beim dritten Mal habe ich mitgesungen und danach ging es mir Bombe. Das fand ich toll, dass, ja, was das betrifft, habe ich manchmal Ladehemmung, ja Malen gibt es, Gesprächsrunden fand ich toll, ob in der Gruppe oder im Einzelnen, auch die Gruppendynamik ineinander also mit den Leuten, wenn man das Glück hat, das sind Leute, mit denen man zurechtkommt. Das tat, teilweise fand ich sogar die Gruppendynamik hilfreicher als die Einzelgespräche oder die konkreten Therapeuten. Ich war zur Anfangszeit, wie ich im Krankenhaus war stationär, war ich Privatpatient, jetzt bin ich Kasse, man merkt Unterschiede, krasse Unterschiede, ob die Unterschiede so viel aus machen, das wage ich tatsächlich zu bezweifeln, denn die Sparmaßnahmen, die Frau Ola Schmitter ins Land gerufen hat mit ihrem fünfzehn Minuten Gespräch oder fünfzehn Minuten Gespräch pro Woche ist niedlich, aber ehe ich aufgetaut bin und richtig ins Thema komme, dann sind meistens schon zehn, fünfzehn Minuten um, so, und dann ist es noch schön, „beim nächsten Mal merken Sie sich, was Sie sagen wollen“, dann sage ich „gut“, das ist in der Privaten auch nicht anders, da ist das Essen besser, man hat ein Einzelzimmer ja, das ist toll, aber hilfreicher fand ich tatsächlich den Aufenthalt im, in der Kasse, weil die Leute da entspannter waren. Wenn man so auf einzelne Menschen trifft, die ziehen sich in ihr Zimmer zurück, das ist auch nett, aber das fand ich nicht so hilfreich wie die Gruppendynamik. Also für mich ist Gruppendynamik wichtiger gewesen als Einzelzimmer und sich zurückziehen zu können. Das ist nicht mein Ding."
Thema: Rehabilitationsaufenthalt und seine Auswirkungen