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Rehabilitationsaufenthalt und seine Auswirkungen Teil 2

Johannes Manske, 56 Jahre alt

MS-Diagnose seit 2007

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Für Johannes Manske waren die psychologischen Gruppengespräche und das MBSR-Training wichtig, um zu sich selbst zu finden.

"Ich kann heute auch besser zuhören, und für mich war dann halt eben auch in der Reha wieder wichtig zu sehen, in den psychologischen Gruppengesprächen, wie es anderen damit ergeht. Und da fühle ich mich schon relativ weit. Und ganz wichtig ist dann halt auch, dass man zu der Krankheit steht. Und nicht, dass man viel Aufwendung betreibt, sich zu verstecken.

Man muss humorvoll… lernen, humorvoll mit sich selber umzugehen und zu sagen: Es geht den anderen auch nicht anders. Und da halt eben immer irgendwie kleine Dinge einzubauen, und dann nehme ich mir halt auch oftmals meine Unterlagen aus meinem MBSR-Training wieder durch, wo es auch um die gezielte Schulung zur Dankbarkeit geht, dass das aufzunehmen und dann auch zwischendurch sagen, es ist toll, dass es so ein schöner Tag heute ist. Schönes Wetter, mir geht es gut, ich vergleiche mich nicht mit anderen, denn andere kommen nicht an mich heran.

Mein Neurologe hat mal gesagt: Wenn Sie morgens dann eben hingehen und dann halt ins Badezimmer gehen, bis Sie auf dem Arbeitsplatz sind, dann haben Sie das geleistet, was ein gesunder Mensch in einem Marathon leistet. Seien Sie sich dessen bewusst. Und wenn Sie sich das vor Augen halten, was Sie eigentlich leisten, müssen Sie sich nicht schlecht fühlen. Und das ist auch bei der Reha, dass ich sage: Ich muss mit meinem Therapeuten sprechen und sagen: Man muss mich erstmal hier finden, dass man mich kennenlernt, womit bin ich belastbar und dann muss ich sagen, das hat mir gut getan, das hat mir nicht gut getan, dass man da die Dinge sieht. Mein Physiotherapeut sagt auch: „Ich muss Sie nicht auf das trainieren, was Sie können. Zeigen Sie mir nicht, was Sie können, das sehe ich auch so. Wir müssen an das rangehen, was Sie nicht können. Immer das was schwerfällt oder gar nicht geht, da müssen wir rangehen, alles andere funktioniert ja.“ Und die Neigung war möglicherweise schon aus Bequemlichkeit, auch als Selbstbestätigung, was ich leisten kann, immer nur die Dinge besonders stark zu machen, die ich auch kann. Deswegen bin ich viel Fahrrad gefahren und wenig gelaufen. Weil es ist ganz was unterschiedliches.

Und da eben muss man sich finden und auch dazu stehen, auch wenn es einem nicht gefällt, was geht nicht mehr so gut. Und das muss dann besonders beachtet werden. Und das halt in den Arbeitsalltag einzubauen, das ist immer wieder sehr anspruchsvoll. Und da habe ich manchmal auch das Gefühl, meine Güte, die Zeit rennt so. Bis mir irgendjemand mal gesagt hat: Über all die Jahre sieht man eigentlich fast nur, dass es irgendwo besser geht. Und ich habe das selber gar nicht gemerkt. Weil ich doch immer wieder den Punkt gesucht habe: Wann habe ich eben keine MS mehr? Aber ich schwanke auch mal da zwischendurch hin und her. Und das hat auch über Jahre dann halt mein Selbstwertgefühl unheimlich stark negativ beeinflusst. Und das dann halt auch wieder in den Griff zu kriegen, dafür war dieses MBSR dann halt auch sehr, sehr gut. Um dann wirklich zu sehen: So, das Gasthaus Seele mal öffnen und da mal freundlich zu sich selber sein und nicht sagen: Das kannst du nicht, das kannst du nicht, das kannst du nicht mehr, das können andere besser, warum kannst du es nicht? Das Leben nur verflucht, das habe ich verkehrt gemacht, warum habe ich das gekriegt. Das ist immer dieser Teufelskreis, in den man sich dann selber reinredet und die Spirale immer weiter nach unten geht. Und da ist es schon wichtig, dass man sich austauschen kann. Und da ist die Reha auch für mich irgendwie wichtig, dass man auch in den Gesprächsgruppen, entweder in Einzelgesprächsgruppen, wo es nur um die MS geht, oder nachher auch allgemein psychologischen Gesprächsrunden, auch in Einzeltherapien, dass man dort das halt eben sieht.

Und mich dann halt eben… wo es um mich geht, hier geht es um mich. Und dann halt auch eben die psychotherapeutische Betreuung, das ist für mich 50/50. 50 Prozent in der psychologischen Betreuung, und auch der Austausch unter den Patienten in den Gruppen, wo ich dann immer wieder sehe, wie weit ich eigentlich schon bin. Und andere Mitpatienten sind dann auch… ja, die sind dankbar und dann halt auch eben interessiert, wenn dann die Frage von alleine kommt, „wie gehst du eigentlich damit um“ oder „du hast da und da was in der letzten Runde von erzählt, kannst du mir irgendwie…“ die fragen auch irgendwo nach. Das ist auch schön, das ist für mich auch ein toller Weg, mit seinem eigenen Programm für die eigene MS-Bewältigung auch angesprochen zu werden. Und dann halt auch sich mitteilen zu dürfen, wo ich dann sage: Meine Güte, ich wäre froh gewesen, wenn ich am Anfang meiner MS auch so einen Austausch hätte haben können. Das hat lange gebraucht, bis ich da hingekommen bin. Ich habe es auch nicht alleine hinbekommen, aber eben die einzelnen Kontakte dann eben zu diesen Menschen, die sind schon sehr wichtig. Und dass man dann auch in der Reha das Ganze… man ist dann halt irgendwie in einer eigenen Welt. Und das hat eine hohe Qualität, wenn man da halt Menschen kennenlernt, wo man sieht, man ist eigentlich gar nicht alleine. Und merkt dann auch über Jahre erstmal, auf welches Niveau man sich selber gearbeitet hat, wenn man dann ganz junge MSler dann eben kennenlernt, ach Gott, denkt man, ach Goddele, du hast noch einen ganz schönen Weg vor dir. Wenn man dann auf die Menschen zugeht und sagt: Ja, es ist … wie es heute die Tage gewesen ist, da war eine Patientin, die hatte vor drei Monaten ihren ersten großen Schub gehabt und ist jetzt hier und in der [unklar ] Gruppe haben 50 Prozent der Leute, die auch MS-Patienten in der Laufgruppe waren, gesagt: Bleib mal ganz ruhig, die werden dich jetzt alle hier erstmal volltexten, oh Gott, oh Gott, aber dann sagt einer: Ach, ich habe schon 50 Jahre MS, ich habe schon seit 30 Jahren MS, wie, ihr lauft alle? Ja, klar. Dann sieht man auch, was irgendwo so… es ist nicht gleich der Schnitt, mein ganzes Leben ist vorbei.

Es kommt auch darauf an, wann bekomme ich meine MS, wie ist mein Lebensweg vorher schon gewesen, wenn man dann Menschen sieht, die mit 15 Jahren schon mit MS haben, oder andere, die erst mit 60 die MS bekommen haben. Dann sieht man, wie groß die Bandbreite ist. Ich glaube, je eher man auch in die Reha geht, und früh auch an die Medikamentation rankommt und eine gute Basistherapie, dass eben nicht zu viele Schübe entstehen, dann auch lernt, welche Formen der MS gibt es. Und dann sieht man auch schon: Hey, das ist eigentlich nicht, wie es gesagt wird, die unheilbare Krankheit, sie ist nicht heilbar, aber es gibt halt sehr, sehr viele Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf zu monitoren, den zu begleiten, und ich glaube, da ist man als MS-Patient eigentlich besser aufgehoben als ein Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Patient. Weil dort ist mir nicht bekannt, ich kenne viele Leute, die einen Herzinfarkt und einen Schlaganfall schon hatten, aber da ist der Austausch nicht so da, nicht so intensiv da, wie gehe ich mit der Krankheit um, weil viele verfallen wieder in ihren alten Lebensrhythmus und als MS-Patient ist man aus seinem alten Leben total ausgekoppelt, das existiert nicht mehr. Und dann kommt man in einen anderen Lebensabschnitt hinein, lebt ein anderes Leben. Aber das Leben mit MS…"

Thema: Rehabilitationsaufenthalt und seine Auswirkungen

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