Rehabilitationsaufenthalt und seine Auswirkungen
Wiebke Seif, 37 Jahre alt
MS-Diagnose seit 2007
Frau Seif hat durch die Rehabilitation ihre Krankheit besser kennen gelernt und weiß dadurch, was ihr guttut und was schlecht für sie ist.
"Also eine neue Diagnose ist ganz, ganz schwer. Also die Angst war am Anfang ganz extrem. Ich war in einer tollen Reha-Klinik, die haben extra ein Programm, das heißt Trainingsprogramm, und das ist wie ein Erstklässler. Du wirst in die Reha gebracht und der sagt dann: „So, wir zeigen Ihnen, was jetzt toll ist, zum Beispiel Reha ist wichtig, Physiotherapie ist wichtig, was für verschiedene Physiotherapeuten es gibt und Therapien, was für Ergotherapien, was für Medikamente, weil es gibt viele Medikamente heute.“ Also ich gehe immer noch auf sehr viele Vorträge, bin eigentlich jedes Jahr auf Vorträgen immer noch, finde das auch wichtig. Ich höre mir die Sachen an, weil es gibt ja auf der einen Seite die Therapie, wo man macht, mit Medikamenten, und es gibt auch die Therapien, wo man einfach für sich macht, wie zum Beispiel Physiotherapie, Ergotherapie, Feldenkrais, Bewegungsbäder. Das das sind alles verschiedene Möglichkeiten und das fand ich eigentlich toll, wie mein erster Reha-Erfolg war, weil ich bin dann raus und wusste etwas. Ich bin nicht in die Reha und habe nur meine Therapie gemacht, sondern ich habe einfach gelernt, wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt und dass man auch die Symptome von der MS behandeln kann, weil die Symptome sind zum Beispiel Spastik. Das ist etwas, wo man eigentlich am Anfang gar nicht zuordnen kann und keine Ahnung hat, weiß auch nicht, wie man das behandelt. Oder Fatigue ist zum Beispiel etwas, wo ich erst, nachdem dass ich die Diagnose bekommen habe, verstanden habe, was eigentlich eine Fatigue ist, diese schwere Ermüdung. Du lebst in deinem normalen Berufsleben, auf einmal fällt dir das Auge zu, du bist total müde und die anderen sagen: „Ach, hast du wieder nicht geschlafen.“ Dabei hat das gar nichts mit dem Schlafen zu tun. Dann, wenn es warm geworden ist, also ich habe das Uhthoff-Phänomen, auf einmal konnte ich überhaupt nicht mehr mich bewegen. Ich konnte nicht mehr richtig laufen. Und nachdem, dass ich halt in der Reha war, habe ich die Sachen verstanden und für mich war das nicht mehr so schlimm und ich konnte auch besser das managen. Also ich weiß zum Beispiel, dass ich nicht der Wärme extrem ausgesetzt sein soll. Also ich fahre mit Klimaanlage im Auto, ich habe eine Klimaanlage im Geschäft und ich weiß, damit kann ich auch leichter leben.
Also in der Reha-Klinik ist das so, dass man sich trifft beim Essen oder man geht auch mal zusammen weg abends. Man hat dann auch mal Zeit für sich und denkt: „Hä, die haben dieselben Probleme, ist gar nicht schlimm.“ Oder man kann sich auch gegenseitig helfen und dann hat man halt auch Vorträge spezielle, wo dann wieder jedes Mal ein Thema ist. Manchmal sind es auch Austauschkuren. Also ich finde das ganz, ganz toll, dass es diese Möglichkeit gibt von Reha.
Ja, ich hatte zum Beispiel gelernt, dass man sein Leben besser managen muss. Also das bedeutet, klar, man muss trotzdem seinen Haushalt machen, aber wenn man es besser verteilt zu den Zeiten, wo man besser funktioniert. Also ich bin ein Morgenmensch, ich kann super morgens arbeiten, umso länger dass der Tag geht, umso schwerer wird es. Also dieses Zeitmanagement, das sich verändert, das war ganz arg wichtig für mich. Dann finde ich das toll mit der mediterranen Küche, wo man dann macht, also das fand ich auch sehr schön. Also mediterrane Küche bedeutet einfach mehr Pflanzenstoffe, weniger Fleisch. Fleisch war sowieso noch nie ein Problem für mich. Aber es gibt viele Menschen, die essen nur Fleisch, deswegen ist das für die eine riesen Umstellung. Und ich finde es auch sehr schön, wenn man dann zum Beispiel Kochkurse macht. Ich habe auch schon öfters einen Kochkurs gemacht in der Reha. Das ist dann auch ganz toll, wenn man mit anderen kocht und jeder hat ja sein Handicap und jeder macht etwas und dann sieht man, dass jeder eine Schwierigkeit hat und es ist okay. Das ist auch ein bisschen vielleicht, dass man sieht, dass die anderen auch Schwierigkeiten haben, dass man sie nicht alleine hat."
Thema: Rehabilitationsaufenthalt und seine Auswirkungen